Würdigung für einen konservativen Papst, der eine dramatische Erneuerung bewirkt

Shlomo Cohen in Israel Ha'yom: 1 Tag, 2 Bomben / Vauro Senesi in Il Fatto Quotidiano: aufgegeben / Giannelli in Corriere della Sera: Technokrat als Papst? / L'Observatorio Romano: ...das sieht die Kirche anders / TAZ und Hamburger Morgenpost: Dank & Abgang / Bild sowie Süddeutsche Zeitung: ...da die Kraft fehlt / Il Giornale: Spekulation über den Nachfolger



Ganz egal, ob man der katholischen Glaubensrichtung verbunden ist oder nicht. Ganz egal, welche religiöse Überzeugung man vertritt. Ganz egal, ob man die achtjährige Amtszeit von Bendikt XVI gut fand oder nicht. Dieser Papst verdient Respekt und Anerkennung. Mit seinem überraschenden Rücktritt hat er die Kirche auf einen Schlag viel moderner und lebensnah gemacht.



Für Bendikt XVI war es ein Befreiungsschlag. Denn er konnte weder physisch noch psychisch die große Last tragen, die ihm bis Ende diese Monats noch aufgebürdet ist. Doch es war auch für die katholische Kirche ein Befreiungsschlag, der sehr wahrscheinlich weit in die Zukunft wirken wird.

Andere Päpste vor Bendikt XVI befanden sich in der gleichen Situation wie er. Das war manchen sichtlich anzumerken. Ein sehr gutes Beispiel ist der Vorgänger des jetzigen Papstes. Er konnte das hohe Amt nicht mehr ausüben. Er hat es praktisch lange Zeit vor seinem Tod auch nicht mehr richtig getan. Doch er wollte nicht mit der Tradition brechen. Der Rücktritt eines Papstes galt ja als Tabu.

Mit dem früheren Kardinal Ratzinger hatte ich mal Gelegenheit auf einem Podium zu sitzen. Die Diskussion war kontrovers aber spannend. Sein Wissen und sein Intellekt haben mich tief beeindruckt, auch wenn ich seine sehr konservative Grundrichtung nicht akzeptieren konnte. Er hat sich von mir mit einigen Grußworten in Hebräisch verabschiedet. Für mich demonstrierte er damit, dass er an die Quelle der gemeinsamen jüdisch-christlichen Tradition gelangen will.

Diese Tradition wird unterschiedlich definiert und ist in ihrer täglichen Umsetzung höchst umstritten. Das ist natürlich. Das ist gut so. Doch bei allen Unterschieden ist eines klar: diese gemeinsame Grundlage unserer Kultur verlangt Anpassung und Erneuerung. Mit seinem schweren doch mutigen Rücktritt hat Bendikt XVI gezeigt, dass er trotz rigidem Festhalten an alten Lehren und Traditionen der Erneuerung verpflichtet ist.

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