Ägypten sperrt YouTube; Allgegenwärtiger Morsi droht mit dem Knüppel / Egypt braces for Second Revolution

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Bei Demonstrationen vor dem Palast des Präsidenten in Cairo wurde letzte Woche ein junger Mann von den Sicherheitskräften schwer verletzt. Ein Video vom Angriff der Polizisten haben mehrere TV-Stationen weltweit ausgestrahlt. Darin konnte man sehr genau den Hergang des Geschehens verfolgen. Der Demonstrant hat friedlich protestiert und wurde trotzdem brutal zusammengeschlagen. Er war sichtlich schockiert und entsetzt. Als er nach wenigen Minuten abgeführt wurde wirkte er fast bewusstlos.



Mehrere Tage später wurde der Demonstrant im ägyptischen Fernsehen interviewed. Die Spuren der Verletzungen waren deutlich zu sehen. Der Mann war schwach und etwas verwirrt. Seine Story war erstaunlich. Auf bohrende Fragen der Moderatorin betonte er wiederholt, dass er von den Demonstranten geschlagen wurde. Die Polizisten hätten ihn eigentlich gut behandelt und letzlich gerettet. Sie brachten ihn zum Krankenhaus und sorgten dafür, dass er wieder auf die Beine kam. Das ganze Gespräch war eine Lobeshymne auf das Regime, das angeblich gegen Anarchie und Gewalt kämpft.

Was hat sich also tatsächlich zugetragen? Sind wir alle blind? Haben Millionen Zuschauer auf diversen TV-Kanälen und anschließend auf YouTube nur ein kollektives Phantom erlebt? Nein, natürlich nicht. Der Film war authentisch. In diesem Fall wurden die Bilder eindeutig nicht manipuliert. Mein Geburtsland kenne ich doch. Es ist absolut klar, dass der Betroffene in Haft eingeschüchtert wurde. Seine Version in der ägyptischen TV-Sendung war sein letzter Ausweg, um das eigene Leben zu retten und seine Familie vor Repressalien zu schützen.

Nun reicht diese Methode der Einschüchterung offensichtlich dem Regime nicht mehr aus. Die Regierung am Nil hat YouTube ganz gesperrt - zunächst nur für einen Monat, wie es offiziell heißt. Danach wird anhand der politischen Entwicklung überprüft, ob das Land doch noch eine gewisse Freiheit in der Berichterstattung duldet oder nicht. Zur Zeit kann und will Präsident Mohamed Morsi keinen freien Fluß der Informationen zulassen. Zu gefährlich ist das angesichts der zweiten Revolution, die Ägypten zunehmend erlebt.

Diese zweite Revolution richtet sich eigentlich gegen die Gewinner der ersten Revolution - also gegen die Islamisten, die das Land seit einem Jahr mit harter Hand regieren. Die erste Zeichnung oben verdeutlicht die neue Situation. Die Männer der ersten Revolution, die gegen die gewaltsamen Methoden des alten Regime kämpften, stehen heute nackt da. Omnipräsent ist Mohamed Morsi, der von ganz oben dem Land eine bestimmte, islamistische Richtung aufoktoyiert. Mit dem Knüppel des neben ihm stehenden Polizisten ist Morsi allgegenwärtig. Ihm und der Muslim Brotherhood kann keiner am Nil Paroli bieten.

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