Es begann in Tunesien… Arabien zwischen Enttäuschung und Hoffnung

Al Wasat: so hat uns Ben Ali unterdrückt / Ulys in Canal+: Gewalt / Lounis in Nouvel Observateur: ...bestimmt heute / Hamida in Business News, Tunis: ...die neue Realität / Assabha: Trauer & Protest / Al Chourouk: Jebali soll Islamisten in Schach halten / ...was aber nicht gelingt



Im Janur 2011 waren viele von uns hoffnungsvoll. Von Tunesien aus hat sich der sogenannte arabische Frühling ausgebreitet. Vor allem in westlichen Hauptstädten gab es viele Illusionen, die zum Teil noch anhalten. Freiheit und Demokratie kommen! Es gibt eine echte Chance, endlich die jahrhundertealte Konfrontation zwischen dem muslimisch geprägten Orient und dem christlich geprägten Westen zu überwinden.



Die Hoffnungen waren berechtigt. Ich persönlich, der aus dem arabischen Orient komme, habe sie immer geteilt und tue es weiterhin. Doch gleich am Anfang und wiederholt über die ganze Zeit habe ich vor unrealistischen Erwartungen gewarnt. Es feheln weiterhin die Voraussetzungen für rechtstaatliche und freie Verhältnisse, die wir aus dem Westen kennen. Die arabische Gesellschaft muss noch eine lange Durststrecke zurücklegen, bis echte Demokratie funktioniert. Wir im Westen können diesen Prozess kaum beeinflussen. Doch wir sollten Verständnis dafür aufbringen. Das ist die Grundlage für gute Ansätze, positive Veränderungen zu begünstigen.

Heute bringe ich Ihnen einige ilustrierte Eindrücke aus Tunesien - sozusagen das Mutterland der Umwälzungen im arabischen Raum. Sie brauchen nicht unbedingt Arabisch zu beherrschen, um die aktuelle Botschaft zu verstehen. Oben links zeigt die erste Zeichnung, wie die Menschen unter Diktator Ben Ali gelitten haben. Der Text unter der Zeichnung lobt die Revolution, die neue Perspektiven für die Menschen öffnet. Freiheit ist in greifbarer Nähe... die Unterdrückung soll aufhören... eine neue, bessere Gesellschaft formiert sich... allerdings sei erwähnt, dass Ben Ali unbehelligt in Saudi Arabien lebt - obwohl er in Tunesien inzwischen zum Tode verurteilt wurde.

Die weiteren Zeichnungen erklären sich von selbst. Nachdem die Islamisten in Tunesien die Macht übernahmen, entstand praktisch eine neue Art der Unterdrückung. Oppositionsführer Chokri Belaid, der dagagen wirksam vorzugehen versuchte, wurde vor wenigen Tagen ermordert. Das Volk beschuldigt das Regime. Diejenigen, die die Revolution angestoßen haben, sind sich heute einig: die Islamisten wollen das Land zurückwerfen und mit harter Hand regieren. Sie dulden keine Widersacher. Das ist das neue Gesicht des Landes, wie die Karikatur oben in Business News zeigt.

Enttäuschung macht sich breit. Wie bereits in Ägypten gehen die Menschen wieder auf die Straße und protestieren gegen die neuen Machthaber. Dabei setzen sie gewisse Hoffnungen auf Ministerpräsident Hamadi Jebali, der eine vorläufige Regierung von Technokraten anstrebt, um das Land aus der Krise zu führen. Doch dafür muss Jebali den Spielraum der Islamisten einengen, was in der vorletzten Zeichnung beschrieben wird. Erfolg oder nicht Erfolg? Noch ist die Hoffnung nicht ganz verloren, die Turbulenzen zu überwinden (letzte Zeichnung). Eben Hoffnung. Doch bitte keine Illusion. Tunesien, Ägypten und andere arabische Länder brauchen noch viele Jahre, bis die Ansätze für eine gute Entwicklung wirklich greifen.

Lesen Sie bitte auch diese Beiträge:

Miss Arab World aus Syrien: Arabische Revolution mal anders gesehen

Algerien: nach der Wahl ist vor der Wahl

_________________________________

You are most welcome to follow and comment on Facebook & Twitter

Anmelden