Alle Welt erwartet den Sturz von Assad… wieso hält er sich dennoch an der Macht?

Al Baath, Damascus: Nostalgie Postcard / Demo FÜR Assad in Moskau / Al Mesryoon, Cairo: düstere Lage / Syria News: westliche F15 bedrohen uns aus der Türkei / Haber, Istanbul: ...die hier an der Grenze Bodenschätze entdeckt / Shlomo Cohen: falls Assad stürzt...



Bereits seit über zwei Jahren hören wir, die Tage des syrischen Präsidenten Bashar Assad sind gezählt. Ausgewiesene Experten erklären uns, dass er sich nicht an der Macht halten kann. Inzwischen gibt es auch Forderungen von mehreren, einflussreichen Ländern, Assad müsse seinen Platz räumen. Wie kommt es, dass er trotzdem seine Position behält und immer noch einen einigermassen funktionsfähigen Staat führt?



An dieser Stelle habe ich mehrmals erläutert, dass Assad und seine alawitische Glaubensgemeinschaft praktisch keine Wahl haben. Aus ihrer Sicht gesehen sind sie physisch bedroht. Sie müssen sich wehren, um die drohende Zerstörung ihrer Dörfer und Städte abzuwenden. Sie befürchten zurecht, dass bei einer Niederlage viele von ihnen nicht nur Hab und Gut sondern auch ihr Leben verlieren. Die Angst vor Rache und Massaker geht um.

In letzter Zeit kommen weitere Befürchtungen hinzu, die einen schnellen Absturz von Assad weniger wahrscheinlich machen. Die eine ist die ungünstige Entwicklung in Ägyten, dessen Präsident Mohamed Morsi ganz klar gegen den syrischen Machthaber agiert. Am Nil gibt es täglich Unruhen. Präsident Morsi musste den Notstand erklären und setzt inzwischen auch die Armee gegen Demonstranten ein.

Die Gründe für die Massenproteste mögen unterschiedlich sein - mal sind das Forderungen nach mehr Beteiligung der Oppostion, mal sind es Urteile wegen Fussballkrawallen. Doch der Hintergrund ist immer gleich - die Wirtschaftslage, die sich seit der Revolution rapid verschlechtert hat. Dem Regime gelingt es nicht, die Menschen in Lohn und Brot zu bringen. Viele leiden unter extremer Armut. Das ist kein gutes Omen für die syrische Revolution.

Auch die Entwicklung in der Türkei spielt Assad in die Hände. Der türkische Ministerpräsident Recep Erdogan versucht immer deutlicher, die syrische Revolution als eine Angelegenheit seines Landes zu behandeln. Das wird auch unter den Rebellen als Bevormundung empfunden. Sie wollen nicht von einem nicht-arabischen Land instrumentalisiert werden, das ohnehin territoriale und andere Konflikte mit dem eigenen Land Syrien hat. Manche Syrer ziehen daraus die Konsequenz, dass sie mit dem Assad-Regime zunächst besser dran sind. Mehr Einflussnahme durch die Türkei wollen sie auf keinen Fall.

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