Inauguration Day: der zweite Anlauf von Barack Obama

Toles in Washington Post: Routine / Matt Wuerker in Politico: was wurde aus Change? / Luo Jie in China Daily: ...erstmal mehr Schulden / ...sowie mehr Steuern (Zeichnung: Peng Li) / Linas Garsys in Washington Times: Libyen-Einsatz lässt Maghreb explodieren / Mike Thompson in Detroit Free Press: Fragezeichen Zukunft



Die USA feiert heute gleich zwei große Ereignisse: Inauguaration Day und Martin Luther King Day. Der Umstand, dass dieses Jahr beide Tage zusammenfallen ist höchst symbolisch. Mit der zweiten Amtszeit des ersten schwarzen Präsidenten besinnt sich Amerika darauf, dass es nun routinemässig von seinen Minderheiten regiert wird. Das ist eine historische Leistung, die sich friedlich vollzogen hat, wie es sich in einer lebendigen Demokratie gehört.



Heute habe ich nach einer grafischen Würdigung dieser dramatischen Entwicklung gesucht - und wurde schnell fündig. Am besten hat mir die Zeichnung von Toles in Washington Post gefallen. Mit seiner Karikatur macht er darauf aufmerksam, dass sich das riesige Land mit seinen Minderheiten so weit versöhnt hat, dass es ihnen das höchste politische Amt anvertraut. Und nebenbei übrigens auch das (immer noch) stärkste und einflussreichste Amt der Welt.

Bei Minderheiten in den USA denkt man automatisch an Schwarze. Das ist auch richtig. Doch im Zusammenhang mit der politischen Schlacht um das White House gehört viel mehr dazu. Man muss eine große Koalition von Minderheiten zusammenschmieden, um bei Präsidentschaftswahlen als Sieger hervorzugehen. Das ist Barack Obama zum zweiten Mal gelungen. Er hat weitgehend diese Minderheiten vereint - Schwarze, Hispanics, Juden, Asiaten, Homosexuelle und mehr. Damit hat er die amerikanische Politik nachhaltig verändert.

Als Mehrheitsgruppe in den USA gelten immer noch Weiße europäischer Abstammung. Doch diese wird zur politischen Minderheit, wenn die anderen Gruppen einigermassen wirksam miteinander koalieren. Das ist eben das spannende am Aufstieg von Obama und auch daran, dass er die Macht für weitere vier Jahre behält. Er schaffte es, die USA mit einer neuen demografischen Zusammensetzung zu einigen. Dabei soll man einschränckend betonen, dass die Grenzen zwischen Mehrheit und den Minderheiten (wie teilweise oben aufgezählt), fließend sind. Viele Menschen fühlen sich gleichzeit beiden Gruppen zugehörig.

Was sonst an Barack Obama zu würdigen ist bleibt offen. Noch hat er ja die Chance, vier Jahre an der Korrektur von diversen Misständen zu arbeiten. Diese gehen zum Teil auf seine Fehler zurück. Doch zum erheblichen Teil auch auf weltpolitische und wirtschaftliche Ereignisse, die er kaum beeinflussen konnte. Was nimmt er sich vor? Was wird daraus? Das ist noch ein unbeschriebenes Blatt, wie die allerletzte Zeichnung in der Reihe oben deutlich macht.

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