Afghanistan: ich zeige Ihnen, was Obama und Karzai verschweigen

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Gestern abend habe ich die Pressekonferenz der Präsidenten Barack Obama und Hamid Karzai verfolgt. Beide sagten unisono, dass die Afghanistan-Mission der Nato zu einem guten Ergebnis geführt hat: das Land sei stabiler. Die nationale Aussöhnung wäre zu erreichen. Die Sicherheitslage verbessert sich ständig.



US Präsident Obama glänzte wie immer mit klaren, präzisen Formulierungen. Ich dachte mir gleich: der Mann kann aber reden! Doch die wiederholte Betonung, dass die Kampfmission in Afghanistan zuende ginge verriet eine gewisse Unsicherheit. Warum muss er das angeblich Selbstverständliche drei, vier oder gar zehn mal wiederholen? Glaubt er vielleicht selbst nicht daran?

Obama erwähnte mit einem gewissen Stolz, dass die Amerikaner und ihre Partner so und so viel Afghanen ausgebildet haben, die nun für Ordnung und Sicherheit im eigenen Land sorgen. Doch damit verfehlte er wiederum den Kern des Problems. Wie Obama selbst am besten weiß, geht es gar nicht um Zahlen. Es geht viel mehr um die Gesinnung. Der Westen hat nämlich viele afghanische Soldaten ausgebildet, die den Westen hassen und nicht selten Nato Soldaten töten.

Dann sprach der afghanische Präsident Karzai. Er musste sich ständig auf seine Notizen stützen. Sein Auftritt verriet tiefe Unsicherheit. Er vermittelte ganz klar den Eindruck, dass er selbst nicht an seine Worte glaubt. Das wiederholte Dankeschön an die USA war alles andere als überzeugend. Etwas bedrückte ihn sehr. Es ist die Situation, die er in Kabul vorfindet, wenn er in sein zerrissenes Land zurückkehrt.

Das erste Bild oben zeigt sehr gut die wahre Botschaft der Pressekonferenz. The Daily Afghanistan hat es heute zurecht als Aufmacher gewählt. Obama sieht wie immer strahlend aus, doch er ist tief besorgt. Hinter ihm sehen wir das etwas verschwommene Gesicht von Karzai. Der afghanische Präsident weiß, dass eine Ära zuende geht. Seine Zukunft ist ungewiss - genau wie die seines Landes. Bisher stützte sich Karzai auf die Bajonette des Westens. Wenn diese verschwinden, wird wohl auch er das Feld räumen müssen.

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