Rückkehr nach Ägypten: diese Einladung muss ich leider ablehnen / למה אני דוחה את הצעת האחים המוסלמים לשוב למצרים

Heliopolis - hier lebte ich / Meine Geschwister und ich in Schuluniform in Cairo / Juden nach einem Pogrom in Bagdad / Flüchtlingslager (genannt Ma'abarot), die in Israel überwiegend für orientalische Juden eingerichtet wurden



Vor einigen Tagen hat mich Dr. Essam Erian eingeladen, nach Cairo zurückzukehren und das Haus meiner Familie im Stadtteil Heliopolis zu reklamieren. Er versprach zudem, mir die ägyptische Staatsbürgerschaft zu geben und deutete an, dass ich als Jude ein Leben in Sicherheit und Freiheit genießen würde. Ein verlockendes Angebot!



Dr. Erian ist nicht irgendjemand. Er ist ein wichtiger ägyptischer Politiker, der unter anderem als Berater von Präsident Mohamed Morsi fungiert. Zudem ist Dr. Erian Vizepräsident der Freedom and Justice Party (FJP) - ein Ableger der Muslim Brotherhood. Dieser Mann gehört heute zur Führungsriege meines Geburtslandes Ägypten. Sein Wort hat ganz bestimmt viel Gewicht.

Der Ansatz von Dr. Essam Erian ist begrüssenswert. Denn mit seiner offenen Einladung zeigt er den Finger auf ein zentrales Problem: die fast völlige Zerstörung jüdischen Lebens im ganzen arabischen Raum. Juden unterhielten florierende Gemeinden in Mesopotamien, in Jemen, in Syrien, im alten Ägypten und in vielen anderen Teilen des Orients, noch lange bevor die Araber kamen.

Nach der arabischen Eroberung und der Islamisierung konnten Juden in diesem Raum nur noch als Bürger zweiter Klasse leben. Trotzdem gelang es ihnen, ihre Gemeinden zu erhalten und eine wichtige Rolle in Wirtschaft und Gesellschaft zu spielen. Ähnlich wie in Europa kam es immer wieder zu Verfolgung und Pogromen gegen Juden. Doch es gab auch gute Zeiten, in denen sich die Juden mit den verschiedenen Machthabern arrangieren konnten.

Die Geschichte der Juden im Orient ist glanzvoll und tragisch zugleich. Doch sie bleibt eine Geschichte, die vergangen ist. Sie lässt sich nicht wiederholen. Die meisten Juden, die im arabischen Raum verfolgt und unterdrückt wurden, sind längst geflüchtet und haben eine neue Heimat gefunden. In Israel machen diese Flüchtlinge und ihre Nachkommen etwa die Hälfte der jüdischen Bevölkerung aus. Diese Tatsachen hat Dr. Erian leider nicht berücksichtigt, als er seine Einladung an mich aussprach.

Dr. Erian macht einen weiteren Fehler. Er übersieht den Umstand, dass die von ihm vorgeschlagene "Rückkehr der Juden nach Ägyten" ein großes Unrecht bewirken würde. Mein Haus zum Beispiel ist seit Jahrzehnten von ägyptischen Familien besetzt. Will Dr. Erian diese Familien vertreiben? Mit welchem Recht? Dr. Erian muss einsehen, dass seine freundliche Einladung nicht realistisch ist. Das Unrecht, das den orientalischen Juden angetan wurde, wird durch ein neues Unrecht nicht getilgt. Es wird sich im Gegenteil noch verschärfen.

Doch es gibt einen guten Ausweg, der gerecht und gleichzeitg praktikabel ist. Alle Flüchtlinge, die durch die Konflikte zwischen Juden und Muslimen betroffen sind, sollen Reparationen bekommen. Das bedeutet im Klartext: ein internationaler Fond wird gegründet, der wirklich alle Flüchtlinge kompensiert, die ihre Wohngebiete im Zuge dieser Konflikte verlassen haben. Einerseits jüdische Flüchtlinge aus Arabien; andererseits arabische Flüchtlinge, die vor 1948  im Gebiet des Staates Israel gelebt haben.

Diese Lösung ist zwingend erforderlich. Sie kann erheblich dazu beitragen, den arabisch-israelischen Konflikt beizulegen. Denn die arabische Forderung nach "Rückkehr der Flüchtlinge" ist ganz eindeutig das Haupthindernis auf dem Weg zum Ausgleich und Kompromiss. Diese Forderung bedeutet nichts anders als die Absicht, aus dem jüdischen Staat Israel einen arabischen Staat zu machen. Das hat inzwischen Dr. Erian selbst bestätigt, indem er prophezeihte, dass Israel innerhalb von einem Jahrzehnt verschwinden wird.

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