Miss Arab World aus Syrien: Arabische Revolution mal anders gesehen

Missosology: Miss Arab World / Al Ahram, Cairo: Frauen zeigen sich selbsbewusst / ...doch sie werden durch die Abstimmung verdrängt / ...und im Käfig gehalten / Ronny Gordon in Ma'ariv: Ägypten damals und heute / Shlomo Cohen in Israel Ha'yom: nahöstliche Nachbarschaft



Passend zum Namen und zur Umgebung hat der Sender Al Arabiya großspurig gemeldet: Miss Syrien ist zur Miss Arab World gewählt worden! Zweifel an der Schönheit und Intelligenz der neu gekrönten Nadine Fahad sind ganz bestimmt fehl am Platz. Sie wirkt hübsch und lebhaft. Auf den ersten Fotos kommt ihre natürliche Ausstrahlung deutlich durch.



Doch die Vermutung liegt nahe, dass man bei dieser glücklichen Wahl nicht nur die üblichen Kriterien berücksichtigt hat, die in solchen Veranstaltungen sonst gelten. Man wollte gewiss ein Zeichen setzen: noch ist Syrien da. Der andauernde Bürgerkrieg ist zwar schlimm. Doch er allein bestimmt nicht alle Facetten des Lebens. Die syrische Gesellschaft ist im Kern stark. Dazu gehören selbstbewusste Frauen, die im arabischen Vergleich gerade in Syrien eine nicht unbedeutende Rolle spielen. Nadine selbst hat diesen Gedanken angesprochen, indem sie Alles Gute für ihr Land wünschte.

Mag sein, dass meine Bewertung der Wahl zur Miss Arab World etwas zu weit geht. Dennoch bleibe ich dabei, dass das Defilé der Schönheiten aus Arabien, das in Cairo stattfand, einen wichtigen Symbolcharakter trägt - und das nicht nur in Bezug auf Syrien. Als zweite wurde Rovan Yousuf aus Ägypten gewählt. Als dritte Nadya Khalifa aus Tunesien. Die Organisatoren des Wettbewerbs bevorzugten ganz offensichtlich Kandidatinnen aus Ländern, in denen die sogenannte Arabische Revolution stattfand oder noch stattfindet.

Dieser Ansatz ist sehr begrüssenswert. Eine echte arabische Revolution wird nur erfolgreich sein, wenn entscheidende Schritte zur Gleichstellung der Frauen gemacht werden. Momentan ist das leider nicht der Fall, wie wir ausgerechnet in Ägypten erleben. Dort haben sich Islamisten durchgesetzt, die die Sharia einführen wollen. In diesen Tagen kamen sie ihrem Ziel näher. Sie haben eine große Mehrheit für die neue Verfassung mobilisiert, die von der Sharia inspiriert wird und die Rechte der Frauen weiterhin einschränkt.

Heute zeige ich wieder einige Beispiele für die Selbstkritik, die in Arabien hin und wieder zu beobachten ist. Diese Selbstkritik ist eine wichtige Quelle der Hoffnung - gerade wenn sie sich mit der Stellung der Frauen befasst. Allerdings reden wir lediglich von vorsichtigen Anfängen. Diese sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die arabische Gesellschaft noch sehr viel Zeit braucht, um sich selbst zu reformieren. Westliche Illusionen hin oder her - der Nahe Osten bleibt eine schwierige Nachbarschaft, in der man sich nur mit großer Mühe behaupten kann.

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