Wo die Minderheit über die Mehrheit herrscht… / Bahrain crackdown and the West / בחריין והמערב

Gulf Daily News: König Hamad - ICH bin der Staat / Voice of Bahrain: so viel Chancen hat man vor der allmächtigen Justiz / ...dennoch bleiben die politischen Gefangenen fest entschlossen, ihren Kampf fortzusetzen / Ali Khalil in Al Bilad: stimmt die Richtung?



Für manche arabische Sender war das heute morgen die erste Nachricht wert: die Demonstrationen in Bahrain dauern an und nehmen sogar an Härte zu. Die Revolution, die dort stattfindet, ist so alt wie der Bürgerkrieg in Syrien, auch wenn sie weit weniger brutal verläuft. Ähnlich wie in Syrien herrschen in Bahrain unzumutbare Verhältnisse. Eine Minderheit - die Sunniten - herrscht praktisch über die Mehrheit - die Schiiten. Ewig wird es so nicht gehen.



Doch in Bahrain hat eine westlich orientierte Dynastie die Macht fest im Griff. Für die USA und die Europäer ist es politisch nicht opportun, die Zustände dort öffentlich zu kritisieren. Stattdessen versucht man hin und wieder, auf König Hamad bin isa Al Khalifa einzuwirken, damit er die Repressalien zurücknimmt. Das gelingt aber nicht. Ohne Unterdrückung der schiitischen Opposition, die letztlich die Mehrheit im Land vertritt, ist die westliche Orientierung von Bahrain nicht zu retten.

Das wäre nicht nur für den Westen ein Hororrszenario, sondern auch für die anderen Golfstaaten - allen voran Saudi Arabien. Die große, berechtigte Sorge ist, dass der schiitische Gottesstaat Iran das kleine Bahrain erheblich beeinflusst und indirekt die Macht ausübt. Von dieser Basis könnte Teheran viel wirksamer als bisher Unruhe in anderen Staaten der Region stiften. Die Konfrontation, die ohnehin stattfindet und sowohl religiöse als auch militärische Komponenten hat, würde sich dramatisch verschärfen. Die Stellung des sunnitischen Islam wäre in akuter Gefahr.

Nur einer handvoll Experten im Westen ist die Bedeutung der tiefen Spaltung zwischen Sunniten und Schiiten wirklich bewusst. Doch für die politischen Strategen ist ganz klar, dass in absehbarer Zeit keine Aussicht besteht, die Länder mit schiitischen Mehrheiten - vor allem den Iran - zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit zu gewinnen. Der Westen versucht also, eine Allianz von sunnitischen Staaten zu begünstigen und zu stärken. Zurecht oder auch oft zu Unrecht wird diese Allianz als "gemässigt" angesehen. Es wird geglaubt und argumentiert, dass mit dieser Allianz die ersehnte Überwindung der Irritationen zwischen dem muslimisch geprägten Orient und dem westlich geprägten Westen möglich ist.

Diese Stoßrichtung ist verständlich und politisch vernünftig. Doch sie hat einen hohen Preis. Oft genug - wie eben im Fall von Bahrain - muss der Westen seine eigenen Prinzipien preisgeben und Repressalien in Kauf nehmen oder gar (wenn auch indirekt) aktiv unterstützen. In Arabien bleibt dieses Verhalten nicht ganz ohne Wirkung auf die öffentliche Meinung, die dem Westen sehr häufig eine zynische und heuchlerische Politik vorwirft.

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