Situation in und um den Gazastreifen: Morsi muss entscheiden / For Egypt, it is high time to shoulder responsibility / מצרים חייבת לקחת אחריות

Karten der Grenze zwischen Ägypten und dem Gazastreifen. Diese geografische Realität wird von vielen Medien oft unterschlagen (Quellen - UN, BBC, The Epoch Times sowie What I Learned Today)



דניאל דגן - Jedem vernünftigen Staatsmann ist klar: Israel kann nicht dulden, wenn seine Städte und Dörfer von Raketen aus dem Gazastreifen beschossen werden. Wie jeder Staat der Welt hat auch Israel das Recht auf Selbstverteidigung und muss davon Gebrauch machen, um seine Bürger zu schützen. US Präsident Barack Obama hat in der letzten Nacht dieses Recht nochmal unterstrichen.



Doch die Hamas Aktivisten, die Gaza beherrschen, sind fest entschlossen, den Beschuss fortzusetzen. Ihr oberstes Ziel ist nach eigenen Angaben, Israel komplett zu beseitigen. Sie schwören wiederholt den sogenannten Heiligen Kampf gegen den jüdischen Staat und rüsten ständig auf, um ihre Pläne in die Tat umzusetzen. Seit dem sogenannten Arabischen Frühling haben sie Rückenwind. Nach Gaza kommen Waffen mehr als je zuvor. Nicht nur aus dem Iran - wie es seit Jahren üblich war - sondern auch aus dem umliegenden arabischen Raum. Aus Ägypten selbst kommt zudem verstärkt ideologische und politische Unterstützung.

Ist das das letzte Wort? Müssen wir uns auf einen sehr langen Kampf einstellen, der immer weiter eskaliert? Wird Israel gezwungen sein, im Gazastreifen einzumarschieren, um die Waffendepots restlos zu zerstören?

Die Antwort ist in Kairo zu suchen. Ägypten unter dem neuen Präsidenten Mohamed Morsi ist die bestimmende Kraft in Gaza. Im Gegensatz zu den falschen Berichten, die immer wieder verbreitet werden, ist der Gazastreifen nicht von Israel eingekreist. Das Gebiet hat (und hatte schon immer!) eine lange gemeinsame Grenze mit Ägypten - das bevölkerungsreichste und militärisch stärkste arabische Land. Ägypten kann und muss Verantwortung in und für Gaza übernehmen. Es ist in der Lage, den Beschuss zu beenden und für Ruhe und Stabilität zu sorgen.

Allerdings hat Ägypten ein erhebliches Problem ideologischer Natur. Die herrschende Kraft in Ägypten - die Muslim Brotherhood - hasst Israel fast ebenso wie die Hamas. An sich ist die Hamas selbst ein Ableger der Muslim Brotherhood und hat die gleichen Wurzeln der fanatischen religiösen Überzeugung. Die Beseitigung des jüdischen Staates sahen beide Organisationen sehr lange (oder sehen immer noch) als eine wichtige Aufgabe, der höchste Priorität eingeräumt wird.

Doch die Muslim Brotherhood ist nicht mehr nur die ideologische und politische Kampftruppe, die sie früher war. Muslim Brotherhood beherrscht das Land am Nil, das mit enormen Problemen zu kämpfen hat - Armut, Analphabetismus, Überbevölkerung, Unterdrückung der Frauen, fehlende medizinische Versorgung, politische Instabilität und viel mehr. Präsident Morsi kann es sich schlicht und einfach nicht leisten, zu alldem auch noch den Kampf gegen Israel zu führen. Das wäre ein Problem zu viel - und zudem ein völlig überflüssiges Problem. Das würde ihn daran hindern, die echten Probleme seines Riesenreiches anzugehen.

Morsi muss entscheiden, was er weiter macht. Er kann - direkt oder indirekt - den Gazastreifen beruhigen. Im Sinai kann er zudem viele wirtschaftliche und politische Anreize bieten, die den Menschen in diesem Gebiet ganz neue Perspektiven öffnen. Andererseits kann Morsi entscheiden, dass ihm der ideologische Kampf gegen den Staat der Juden wichtiger ist als die dringend nötige Gesundung seines Landes.

Dann würde es für Israel keine andere Option geben, als durch die Forsetzung der Kampfhandlungen neue Spielregeln festzulegen. Diese müssen unbedingt sicherstellen, dass der Beschuss aus dem Gazastreifen wirklich eingestellt wird.

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