Syrische Opposition einigt sich: ist das die Wende im Bürgerkrieg? / Mouaz al Khatib prepares to replace Bashar Assad

Tishreen, Damascus: Qatar Premier als Drahtzieher / ...Oppositionelle sind gar Terroristen / Latuff in Egyptian Chronicles: Assad abgehoben / ...und bekommt nichts mit / Migdad in Arab News, Saudi Arabien: Damascus aktuell / Sorgenkind Syrien



Es ist im Prinzip gut, dass sich die syrische Opposition geeinigt hat und einen Leader wählte. Doch diese Einigung ist sehr brüchig. Sie kam im Ausland zustande, unter der Ägide der sunnitischen Golf-Staaten, die eine eigene Agenda für Syrien haben . Aus ihrer Sicht sichert der frühere Imam Mouaz al Khatib eine sunnitisch-islamische (oder gar islamistische) Richtung, auf die sie ja eingeschworen sind.



Anders sieht es allerdings in Syrien aus. Dieses Land ist das Zuhause für mehrere, wichtige Minderheiten. Sie fürchten nichts mehr als eine radikale, religöse Tendenz der sunnitischen Mehrheit. Das wäre für sie das Ende einer langen Periode, in der sie weitgehend geduldet und akzeptiert wurden. Die Macht in Syrien ist seit Jahrzehnten in der Hand der Assad-Dynastie, die die alawitische Richtung des Islam vertritt. Ihren Einfluss konnten die Alawiten unter anderem dadurch garantieren, dass sie anderen Minderheiten gewisse Spielräume gelassen haben.

Wie würde es unter anderen Machthabern aussehen? Diese Frage beschäftigt viele Syrer, die den Minderheiten von Drusen, Kurden, Christen und anderen angehören. Und natürlich die Alawiten selbst, die seit dem Anfang des Bürgerkrieges sehr brutal gegen die Sunniten vorgegangen sind. Nun müssen die Alawiten befürchten, dass sich unter einer künftigen sunnitischen Herrschaft das Blatt wendet. Sie wären sehr wahrscheinich das Ziel von Repressalien oder gar blutiger Rache.

Diese verständliche Sorge nutzt das Regime aus, um den neuen Oppositionsführer und seine Mannschaft zu diskreditieren. Die Schlacht findet natürlich auf dem Terrain statt, wo Assad weiterhin seine sunnitischen Gegner schwächt und ihre Ortschaften bombardieren lässt. Aber auch in den Medien, wie Sie oben sehen. Die Opposition wird als Handlanger anderer Interessen dargestellt. Eigene, von dem Regime unterstützte Menschenrechtsorganisationen sollen die Bürger betreuen, die der Gewalt der Rebellen ausgesetzt sind. Kämpfer der Opposition werden routinemässig als Terroristen bezeichnet.

Eine andere, neue Taktik des Assad-Regime besteht in dem Versuch, das Interesse auf Israel zu lenken. Somit ist zu erklären, dass in den letzten Tagen syrische Geschosse auf israelischem Terrirotium eingeschlagen sind. Diese Taktik wird aber kaum aufgehen. Zum einen weil kaum jemand in Arabien glaubt, dass der jüdische Staat für den Bürgerkrieg (und für die Umwälzungen in der arabischen Welt überhaupt) Verantwortung trägt. Zum anderen weil Israel schnell reagierte und signalisierte, dass es nicht dulden werde, wenn der Machtkampf in Syrien auf sein Gebiet überschwappt.

Lesen Sie bitte auch diese Beiträge:

Libanon im Sog des syrischen Bürgerkrieges

Wird der syrische Aufstand nach Jordanien überschwappen?

_________________________________

You are most welcome to follow and comment on Facebook & Twitter

Schlagwörter: , , , ,

Anmelden