Einladung zum Parteitag in Peking / China’s Communists pick new leaders

Steve Caroll in Economist: Machtspiel / Telegraph: können sie so weitermachen? / Heng in International Herald Tribune: entschlossene Truppe / China Digital Times: die Partei ist Königin / ...und entscheidet sogar, wo Fabriken entstehen / Critically China: Reformen nur im Schneckentempo



China ist heute der wichtigste Ort der Erde. Da wird unser aller Schicksal weitgehend bestimmt. Da wird entschieden, ob wir im Westen weiterhin auf Pump leben dürfen, um unseren unverantwortlichen, verschwenderischen Lifestyle zu finanzieren. Da wird festgelegt, ob die Weltwirtschaft wächst, stagniert oder abstürzt. Da wird übrigens auch besiegelt, ob die Streitkräfte des Reich der Mitte genung Mittel bekommen, um im Wettbewerb mit dem Westen auch militärisch aufzuholen.



Gerne wäre ich heute beim Parteitag in Peking, um Sie vor Ort über diese Neuigkeiten genauer zu informieren. Gerne wäre ich dabei, wenn die mächtigsten Männer Chinas (man sieht ja fast nur Männer) beim Frühstück ihr Gerangel um Positionen und Kompetenzen austragen. Gerne würde ich beim Small Talk etwas mehr über die Stimmung im Führungkader erfahren. Gerne wäre ich dabei, wenn noch kurz vor den offiziellen Ankündigungen eine letzte Beratung im kleinen Kreis stattfindet.

Gewisse Chancen rechne ich mir schon aus, miteinbezogen zu werden. Die Führungsriege der Chinesen besteht zwar aus Hardliner-Kommunisten. Doch sie ist zugleich sehr pragmatisch. Diese Männer schätzen Erfahrungen von anderen. In den Schulen für die künftigen Kader wird die frühere britische Ministerpräsidenten Margaret Thatcher hochgelobt - gerade wegen ihrer unnachgiebigen Haltung in Sachen Wirtschaft und Arbeiterbewegung. Die Chinesen suchen eine Win-Win Situation. Alle sollen profitieren. Hauptsache Aufstieg und Wachstum.

Mein Engagement erstreckt sich auf mehrere Länder. In China war ich auch schon einige Male. Oft habe ich Chinesen im Ausland besucht und mit ihnen diskutiert. Zudem bringe ich wertvolle Erfahrungen vom Kibbuz mit - praktisch eine kommunistische (allerdings freiheitliche!!!) Gesellschaftsform. Mein eigener Kibbuz glänzt als Musterbeispiel. Es ist in der kapitalistischen Umgebung so erfolgreich, dass er nach Innen die kommunistischen Prinzipien der Solidarität bestens umsetzen kann. Genau das braucht China, wenn auch in ganz anderen Dimensionen. In meinem Kibbuz leben nicht mal 13 Hundert, in China etwa 13 Hundert Millionen Menschen.

Immerhin habe ich einen Vertreter nach Paking geschickt. Es ist mein Freund Ian Johnson, der an dieser Stelle täglich berichtet. Er beherrscht die chinesische Sprache. Er kennt Land und Leute und hat über seine Erfahrungen umfangreich geschrieben. Ganz zum Schluss noch dieser kleine Hinweis: die Chinesen schätzen die Juden sehr und knüpfen enge Kontakte mit Israel. Sie glauben fest daran, dass beide alten Völker voneinander profitieren können. Das geschieht bereits auf vielen Gebieten. Begünstigt wird die Zusammenarbeit dadurch, dass es in China praktisch keine Vorurteile gegen Juden gibt.

Ich gehe fest davon aus, dass sie nun überzeugt sind. Die Chinesen werden mich eventuell einladen, an ihren internen Beratungen teilzunehmen. Eines Tages wird es bestimmt geschehen. Darauf warte ich voller Spannung doch zugleich mit Gelassenheit und Geduld. Wenn nicht bei diesem Parteitag, dann wohl beim nächsten, wenn China noch mächtiger und wichtiger für uns alle sein wird.

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