Obama greift an: die neue Taktik des geschwächten Präsidenten



US Präsident Barack Obama als ein agressiver Streithahn, der seinen Rivalen wiederholt angreift. Kandidat Mitt Romney als ein milder Kontrahent, der die Handlungen des Amtsinhabers oft genug bejaht und seine Kritik eher schwach äussert. Das haben viele Millionen Zuschauer letzte Nacht beim abschließenden TV-Duell erlebt. War das alles nur eine Show? Was steckt hinter diesen unerwarteten gegensätzlichen Taktiken der Diskutanten?



Obama spürt Gefahr, da Romney in den Umfragen der letzten Wochen erheblich aufholte. Obama muss alles wieder aufwirbeln, damit er eine neue Chance bekommt. Das geht aus seiner Sicht nur durch einen Auftritt, bei dem er seinen Rivalen ständig reizt und ihn pausenlos provoziert. Das Kalkül dabei ist, dass Romney unbedacht reagiert und sich zu unverantwortlichen Aussagen hinreißen lässt.

Romney beobachtet den günstigen Trend in den Umfragen und will seine verbesserte Position nicht gefährden. Da es um Aussenpolitik geht, versucht er jede Befürchtung vor abenteurlichen Tendenzen zu zerstreuen. Im Gegensatz zum Bild, das Obama von ihm zeichnet, spielt Romney geradezu den Friedensapostel. Mit ihm wird es keine unüberlegten Interventionen geben. Die bessere Ausstattung des Militärs, die er weiterhin unterstützt, dient nicht dem Krieg sondern der Verhinderung von bewaffneten Konflikten.

Obama hat insgesamt besser und präziser als Romney argumentiert. Seine Aussagen waren fließend und klar. In dieser Hinsicht hat er die Debatte bestimmt gewonnen. Romney wirkte manchmal unbedarft und fast hilflos. Immer wieder flüchtete er in allgemeine Formulierungen, bei denen eine weitgehende Zustimmung zum Vorgehen des Amtsinhabers herauszuhören war. Insofern ist er der Verlierer bei diesem Duell.

Obama kam in die Debatte mit der Absicht, seine Anhänger zu ermuntern und zu mobilisieren. Das hat er durch seinen bestimmten und guten Auftritt zweifelsohne erreicht. Romney kam in die Debatte mit der Absicht, sein Image als unverantwortlicher Kriegstreiber abzulegen. Das ist ihm gut gelungen. Romney ist nun in die Rolle eines Commander-in-Chief (Oberbefehlshaber) geschlüpft, der vor allem Krieg zu vermeiden versucht.

Die ganz große Frage bleibt, wie die Konfrontation auf die unentschlossenen Wähler wirkte. Erstes Fazit: Aussenpolitisch sind die Differenzen zwischen Obama und Romney nicht erheblich und oft kaum erkennbar. An einigen Stellen hat Romney den Präsidenten von links überholt, indem er etwa mehr Unterstützung für die Rechte der Frauen in der arabischen Gesellschaft forderte. Die Wahlschlacht dreht sich weiterhin um Wirtschaftskompetenz. Daran hat die gestrige Debatte nichts geändert.

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