Libanon im Sog des syrischen Bürgerkrieges

 Al Mustaqbal: Assad schießt / Hassan Bleibel in The Daily Star: ...und trifft auch den Libanon / Al Joumhouria: das Land blutet / Al Anwar: Autobombe in Beirut / 14 March: Sicherheitschaos; Libanon von Syrien gefangen / ...während iranische Piloten vom Libanon aus Ziele in Syrien bombardieren



In libanesischen Zeitungen blättere ich häufig. Dennoch war ich über die Informationen und Aussagen erstaunt, die ich am heutigen Tag vorgefunden habe. Die gegenseitigen Vorwürfe der verfeindeten ethnischen und religiösen Gruppen übersteigen das Ausmass dessen, was bisher üblich war. Die Fronten verhärten sich zunehmend. Eine neue, brutale Auflage des Bürgerkrieges wird immer wahrscheinlicher.



Hintergrund ist natürlich der Bürgerkrieg im Nachbarland Syrien. Die verschiedenen, komplizierten Allianzen von libanesischen Parteien und Organisationen mit dem syrischen Regime oder mit seinen Gegnern bilden die explosive Kulisse für tiefe Feindseligkeit und blutige Rache. Das allerletzte Beispiel ist die Autobombe, die vor zwei Tagen in Beirut explodierte und viele Menschen tötete. Die Zielscheibe dabei war der Sicherheitschef des Libanon, der angeblich (laut Damascus) die Rebellen in Syrien unterstützte.

Die libanesischen Gegner von Bashar Assad sind zahlreich - muslimische Sunniten, Christen, Drusen (wenn auch nur bedingt) und viele andere. Doch bisher haben sie sich davor gehütet, das syrische Regime frontal anzugreifen. Zu groß war die Angst vor Repressalien. Zu akut war die Gefahr, dass die Alliierten von Assad im Libanon - allen voran die schiitische Organisation Hizbollah - Terror und Schrecken verbreiten.

Nun gibt es keinen Grund mehr für Zurückhaltung. Nach den Berichten, die sunnitische und christliche Medien verbreiten, stehen Hizbollah und Syrien eindeutig hinter dem Anschlag in Tripoli. Somit ist eine Grenze überschritten. Die andauernde Schlacht in Syrien ist zu einer Konfrontation im Libanon geworden. In den Zeichnungen oben sehen Sie, wie dieser Umstand in den Medien dargestellt wird.

Hizbollah Aktivisten sowie syrische Agenten werden als direkte Feinde des Libanon gebrandmarkt. Die verbale und mediale Eskalation wird mit der Verbreitung von Informationen begleitet, wonach sich iranische Piloten im Libanon aufhielten oder immer noch aufhalten. Dient der Libanon bereits als direkte Operationsbasis für iranische Streitkräfte? Sollte diese Information stimmen, bedeutet sie eine dramatische Wende für die ganze Region. Vor allem aber für den Libanon, dessen Territorium nun vom Iran missbraucht wird, um (zunächst) das Regime von Assad vor dem Untergang zu retten.

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