Islamisten demonstrieren für Reformen in Jordanien / Pro-reform protest in Jordan as well / היעד הבא של איסלמיסטים: ירדן

Nasser Al Jaafar in Al Ghad: soziale Probleme / ...beflügeln Wunsch nach Freiheit / Osama Hajjaj in Al Arab Al Yawm: Facebook-Generation rebelliert / ...es kann bald brennen! / Al Dustour: Demos in Amman / ...könnten Unterdrückung wie in Syrien provozieren (Zeichnung: Jawartani)



דניאל דגן - Auch in Jordanien häufen sich die Demonstrationen gegen das autoritäre Regime, das sich seit ewigen Zeiten hält. Gestern hat das Land eine der größten Kundgebungen gegen die herrschende Monarchie erlebt, die von vielen Bürgern als ein Fremkörper aus dem fernen Hijaz empfunden wird. Doch König Abdullah schafft es immer wieder, sich dem Zorn der Massen zu entziehen, indem er auf manche Wünsche eingeht und neue Allianzen mit verschiedenen Stämmen in seinem Reich schmiedet.



Jordanische Medien berichten mit einem gewissen Stolz, dass die gestrige Demonstration ohne gewaltsame Zwischenfälle verlief. Das ist in der Tat ein großer Erfolg für das Regime, das unter enormen Druck steht. Die Demonstranten machen die Regierung für Armut und Korruption verantwortlich und fordern schnelle, tiefgreifende politische Reformen. Diese laufen darauf hinaus, dass der König gezwungen wird, auf seine Machtfülle fast komplett zu verzichten. Er würde nicht mehr die Regierung bestimmen können und würde sich dem Willen der gewählten Volksvertreter beugen müssen.

Eine weitere zentrale Forderung ist die Befreiung von politischen Gefangenen, die fast alle islamistischen Organisationen und Gruppierungen angehören. Zudem müsste der König große Einschränkungen bei den zu ihm loyal stehenden Sicherheitskräften akzeptieren. Die Opposition will die Zahl von Angehörigen der Geheimdienste drastisch reduzieren und bei der Besetzung wichtigster Posten in Polizei und Armee mitreden.

Wenn König Abdullah diese Reformen umsetzt wird er praktisch entmachtet sein und nur noch symbolisch regieren. Das kann der haschmitische Herrscher auf keinen Fall akzeptieren, weil es ihn und seine Familie auch persönlich gefährden würde. Seine bis dato gelungene Taktik war, durch kleine "Reförmchen" ganz große Veränderungen zu verhindern. Zudem benutzt er Zuwendungen aus dem Westen und aus den Golfstaaten, um wichtige Lebensmittel für die Bevölkerung erschwinglich zu machen.

Sollte der König doch aufgeben müssen, wird auch Jordanien von den Umwälzungen in der arabischen Welt erfasst. Im Falle von Amman bedeutet es, dass das Königreich seinen Charakter ändern wird. Zum einen wird es viel stärker als bisher islamistisch geprägt, und könnte sogar (wie im Falle Ägyptens) von der Muslim Brotherhood beherrscht werden. Zum anderen wird es stärker als bisher von seiner palästinensischen Bevölkerung geprägt, die etwa 80 Prozent der Bürger stellt und bisher relativ wenig Einfluss ausüben konnte und durfte.

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