Der syrische Bürgerkrieg schwappt auf den Libanon über / Civil War in Syria engulfs Lebanon

Al Manar (Hizbollah TV): Syrien blutet / Al Hayat: Flüchtlinge strömen in den Libanon / Al Mustaqbal: ...worauf nun Assad zielt / Al Akhbar:  Tripoli stirbt / L'Orient le Jour: die Heimat blutet / Saida Beirut: Syrien auf Talfahrt



Syrien und Libanon sind sozusagen Bruderstaaten. Was in Syrien passiert beeinflusst den Libanon massgeblich. Zum großen Teil gilt es auch umgekehrt. Ganz davon abgesehen, dass Syrien und Libanon lange Zeit eine Einheit bildeten und letztlich durch die Kolonialmächte getrennt wurden. Bis zum heutigen Tag betrachtet Syrien den Libanon als ein Teil seines Territoriums und hat dort vitale Interessen sowie mächtige Verbündete.



Nun schwappt der Bürgerkrieg in Syrien auf den Libanon über. Das ist nicht mehr zu übersehen. Bisher kam es gelegentlich zu Zwischenfällen unter verfeindeten ethnischen und religiösen Gruppen im Libanon, die für oder gegen das Regime von Präsident Bashar Assad stehen. Jetzt gibt es richtige Kämpfe, die nur schwer einzudämmen sind. Diese konzentrieren sich zunächst in der nördlichen Hafenstadt Tripoli.

Die aktuellen Feuergefechte brachen aus zwischen sunnitischen Muslimen, die die Rebellen in Syrien unterstützen, und shiitischen Alawiten, die der Minderheit von Assad angehören. Die Loyalitäten der rivalisierenden Gruppen werden weitgehend durch religiöse Zugehörigkeit bestimmt. Das macht einen Ausgleich besonders kompliziert. Zudem ist es nicht ganz übersichtlich, wer gegen wen kämpft und wie der erneute Waffengang zustande kam.

Als einziger arabischer Staat definiert sich Libanon nicht über die muslimische Religion. Die ehemalige Perle des Orients ist die Heimat von mehreren, verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen. Dabei spielten die Christen traditionell eine Schlüsselrolle, die allerdings in den letzten Jahrzehnten erheblich geschwächt wurde. Toleranz und Zusammenleben gestalten sich in letzter Zeit zunehmend schwierig, da der Konflikt in Syrien immer brisanter wird.

Die Schiiten im Libanon sind vor allem durch die Hizbollah vertreten, die praktisch einen Staat im Staate bildet - mit eigener, unabhäniger Streitmacht. Die Schiiten befürchten den Sturz von Assad und somit den Verlust eines starken Partners, der sie seit vielen Jahren (zusammen mit dem Iran) mit Waffen und politischer Rückendeckung versorgt. Sunniten, Christen und zum großen Teil auch Drusen wünschen sich dagegen den Sturz von Assad und hoffen, die Schiiten im eigenen Land dann in die Schranken zu weisen.

Lesen Sie bitte auch diese Beiträge:

Syrien von Libanon aus gesehen

Aktueller Wegweiser Syrien

_________________________________

You are most welcome to follow and comment on Facebook & Twitter

Schlagwörter: , , , ,

Anmelden