Aktueller Wegweiser Syrien / Who fights against whom in Syria / סדר בבלגן הסורי

Tishreen, Damascus: Amerikaner & der Westen versinken / Kassioun: ...ihnen geht es nur um Öl / Russia beyond the Headlines: arabischer Aufstand... US Dominanz... / NYULocal: Bösewichte China & Russland / Kianoush Ramezani: Iran wird noch gefährlicher / Ronny Gordon in Jerusalem Post: was kommt demnächst?



דניאל דגן - In letzter Zeit bekomme ich Hinweise, die wilde Spekulationen um Syrien enthalten. Die Quellen sind angeblich unabhängige Kommentatoren. Doch dahinter stecken oft Interessengruppen, die die öffentliche Meinung beeinflussen wollen. Nun versuche ich mal gezielt, ein bißchen Ordnung in dieses Durcheinander zu bringen.



Ist der Aufstand in Syrien authentisch? Die Antwort lautet: ein klares Ja. Natürlich gibt es sehr viele Syrer, die die Machtdynastie des alawitischen Clans von President Bashar Assad aus eigenem Interesse und ohne Hintergedanken beseitigen wollen. Doch ihre Motive sind ganz unterschiedlich. Manche wollen einfach mehr Freiheit und Demokratie. Manche streben Modernisierung und eine Art westlichen Lebensstil an. Manche sehen in dem bestehenden Regime einen ethnischen und religösen Fremdkörper, der die sunnitische Mehrheit zu unterdrücken versucht. So geht es weiter und weiter.

Wird der Auftstand von aussen gesteuert? Die Antwort lautet zunehmend Ja. Das, was vor über einem Jahr als spontane Demonstrationen begonnen hat, hat schon längst einen ganz anderen Charakter bekommen. Die Aufständischen - woher auch immer sie kommen - wären bestimmt nicht in der Lage, aus eigener Kraft weiterzumachen. Dafür sind die Streitkräfte des Regimes einfach viel zu mächtig. Mit ihrer Effizienz und Brutalität würden sie jeden Widerstand brechen. Inzwischen mischen sich aber fremde Kräfte ganz intensiv ein und bestimmen die Kampfhandlungen entscheidend mit.

Hat sich Syrien in ein Schlachtfeld der Regionalmächte bzw. Großmächte gewandelt? Die Antwort lautet ebenfalls Ja. Doch Vorsicht! Die Alllianzen, die sich gebildet haben, sind brüchig und nicht immer klar überschaubar.

Der Iran unterstützt Assad vor allem, weil die Alternative aus seiner Sicht ein sunnitischer Staat wäre, der weitgehend von Saudi Arabien beeinflusst wird. Das will Tehran nicht hinnehmen. Zudem braucht der Iran Assad, um sein Proxy Hizbollah im Libanon zu schützen.

Saudi Arabien und die Golfstaaten unterstützen die Aufständischen, weil sie überwiegend der eigenen religösen Überzeugung entsprechen. Das geschieht auch, um den Feind Iran in der Region zu isolieren

Die Türkei ist zunehmend gegen Assad, weil sie die Gunst der breiten arabischen Welt gewinnen will. Ein weiterer Grund ist die Belastung durch die vielen Flüchtlinge, die in die Türkei fliehen.

China und Russland stehen immer noch zu Assad, weil sie vor allem die Rivalität mit den USA vor Augen haben. Aus der Sicht von Chinesen und Russen will die USA (in Allianz mit Saudi Arabien) eine dominierende Stellung in Syrien einnehmen.

Die USA und "der Westen" gewinnen möglicherweise vom Sturz  Assads, weil der Iran dadurch erheblich geschwächt wird. Doch diese Überlegung fußt auf der falschen Annahme, dass Freiheit und Demokratie das jetzige Regime ersetzen. Viel wahrscheinlicher ist ein islamistischer Rachefeldzug gegen die Alawiten und eine Machtübernahme der Muslim Brotherhood. Das verspricht nichts Gutes für Syrien und für die Region.

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Syrien zwischen Vision und Realität

Syrien ohne Intervention

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