Auf nach London! Canvas auf Rädern in Shoreditch

Sandro Chia / Andy Warhol / Jeff Koons / Cesar Manrique / Esther Mahlangu / Frank Stella / Robert Rauschenberg / Roy Lichtenstein



Ich bin nicht unbedingt ein Anhänger von dicken Autos. Meist gehe ich zu Fuß oder fahre mit dem Rad. Tägliche Bewegung ist mir wichtig. Natürlich denke ich auch an die hohen Benzinpreise und das lästige Parkplatzsuchen. Mein altes Rad kann ich überall anketten. Ich bleibe schlank, spare Geld und tue der Umwelt noch Gutes. Für längere Strecken fahre ich meist mit der Bahn oder steige ins Flugzeug.

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Dennoch können mich so manche gut gestylte Automobile begeistern. Mal ist es schlicht und einfach die Leidenschaft für ein gelungenes Design, mal die Fähigkeit des Autobauers, seinem “Baby” so etwas wie Charakter zu geben. Auch die Vision, die manche Autohersteller bzw. Autobesitzer miteinfließen lassen kann beflügeln. Ich bin ja für alles offen!

Doch das, was ich in diesen Tagen in London erlebte stellt alles bisherige in den Schatten. Ich bin echt begeistert und empfehle Ihnen, beim Besuch in der britischen Metropole mal auf eine der vielen Olympia-Attraktionen zu verzichten. Dafür fahren oder gehen Sie zielstrebig zum Stadtteil Shoreditch in East-London und suchen den Weg zur 35 Great Eastern Street.

Shoreditch ist im Umbruch; vom noch industriellen Stadtteil zum Viertel mit immer mehr Galerien, Wohnungen und Restaurants. Diese Gegend (aus der übrigens der berühmte Cockney Akzent stammt) ist im Kommen. Jung und schon hip. Die besondere Mischung von alt und neu sowie Werkstatt, Wohngebiet und Kunst macht es.

Dort, in einem unauffälligen parking house nehmen sie die ziemlich hässliche Betontreppe und erklimmen die sieben Etagen. Natürlich mit einem Stop in jeder Etage! Denn da finden sie die zur Zeit wohl heißesten Londoner Attraktionen.

Schnittige Sportwagen, die von verschiedenen Künstlern liebevoll und sehr kreativ noch schöner gestaltet wurden. Einige dieser Flitzer sind über den Asphalt von Le Mans gebraust.

Wie das Modell von Roy Lichtenstein, dem berühmten Pop Art Künstler. Sein Fahrzeug hat er mit seinen Dots - bekannt als Ben Day Dots und Linien - kunstvoll ausgestattet, um das eigentliche Zuhause des Autos darzustellen. Eben die Straße.

Die Ikone der Pop Art Andy Warhol dachte bei der Gestaltung seines Modells an speed und schuf eine “lebendige Darstellung von Geschwindigkeit”. Seine Kreation ist heute eine der wertvollsten.

Robert Rauschenberg hat den Canvas gegen einen Rennwagen eingetauscht und zum erstenmal einen alten Meister darauf appliziert. Eine junge, schöne Nackte gemalt 1814 von dem Franzosen Ingres. Für Rauschenberg ein spannendes, erotisches Erlebnis. Denn “es war so, wie alleine in einem Raum mit einer Jungfrau zu sein”.

Anders als in einem herkömmlichen Museum stehen hier die Kunstwerke auf offenen Parkdecks. Die Geräusche aus der Stadt dringen nach oben. Einfach und einfallsreich haben die Macher der Ausstellung die offenen Decks mit grauen dünnen Streben sowie Metallnetzen versehen. Das reflektiert das Licht, lässt den Wind reinwehen und ist einfach ästhetisch.

Bei aller Begeisterung für diese Art Car Collection muss ich warnen: mit den hier ausgestellten Canvas auf Rädern soll man nicht mehr durch die Stadt kutschieren oder über eine Rennstrecke brettern. Dazu sind sie künstlerisch sowie finanziell zu wertvoll! Uns bleibt, diese Schätze in Museen zu bewundern, oder wie dieser Tage in einem unauffälligen Parkhaus im London.

Noch ein kurzer Rückblick: Bei meinem allerersten Besuch in Deutschland wurde ich von einer offiziellen Begleitung betreut, die mir industrielle Leistungen sowie deutsche Wertarbeit vorführen wollte. Die Wahl fiel auf die BMW Zentrale in München, wo ich Produktionslinien und Fertigungsstraßen bestaunen durfte.

Berichtet darüber habe allerdings nicht. Es war mir zu technisch. Nun habe ich aber einen guten Grund, den BMW Bewunderern in meinem Land Israel für einen Abstecher nach Shoreditch zu gewinnen.

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