Libyen wählt: Freude ohne Illusionen / Libya elections amid fresh violence / לוב בוחרת

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דניאל דגן - Heute wählt Libyen. Endlich freie Wahlen, die hoffentlich ohne Gewalt stattfinden. Doch auch bei einem guten Verlauf dieses ersten einigermassen geordneten Urnengangs wird Libyen noch lange nicht frei und demokratisch. Dazu fehlen - wie bereits vorher in Tunesien, Ägypten und Yemen - wesentliche Voraussetzungen. Das haben auch diejenigen inzwischen gelernt, die den sogenannten arabischen Frühling mit ihrem eigenen, illusorischen Wunschdenken gleichgesetzt haben.



Libyen ist ein geteiltes Land, in dem Stammesrivalitäten und regionlae Unterschiede einen gefährlichen Konflktstoff  liefern. Zudem sind auch in Libyen die Islamisten auf dem Vormarsch. Mit ihnen ist in absehbarer Zeit Freiheit undenkbar - schon gar nicht für Frauen. Nicht zuletzt verdichten sich die Beweise, dass Al Kaida und andere gewaltbereite Organisationen Libyen bereits als Operationsbasis benutzen. Diese haben Querverbindungen zu den Rebellen in Mali, die in letzter Zeit für viele negative Schlagzeilen sorgten.

Dennoch ist es erfreulich, dass kontrollierte Wahlen stattfinden, bei denen mehr als nur eine Partei von den Bürgern legitimiert werden kann. Diese Erfahrung hat Gewicht. Sie stärkt das Bewusstsein für die Notwendigkeit, echte Reformen durchzusetzen, um die Herausforderungen der Moderne zu bewältigen. Wie auch im Nachbarland Ägypten steht Libyen vor der Aufgabe, sich selbst zu erneuern. Keine Kraft der Welt wird in der Lage sein, die Umgestaltung von Aussen zu steuern.

Skepsis und Optimismus zeichnen diesen Tag aus. Die Illustrationen oben bringen beide Gefühlslagen zum Ausdruck. Eine Besonderheit an der Entwicklung in Libyen ist, dass der Aufstand erst durch einen massiven militärischen Einsatz der Nato erfolgte. Nicht verwunderlich wäre es, wenn vor allem Frankreich, Großbritannien und die USA erwarten, wirtschaftlich und politisch belohnt zu werden. Libyen ist reich an Erdöl-Vorkommen und kann so einiges bieten... doch wie uns die letzte Zeichnung vorwarnt, lauern die Chinesen bereits auf ihre Chance. Wie anderswo in Afrika könnten sie am Ende auch hier gewinnen.

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