Krieg Türkei-Syrien? Noch ist es ein Medienspektakel / Erdogan warns Syria to beware Turkey’s wrath

Hurriyet: "Syrien bösartiger Staat" / Haber: Telefonat mit Putin / Zaman Karikaturisten bereits im Einsatz: Cem Kiziltug lobt die Luftwaffe / Dagistan Cetinkayn zeigt den Abschuss / Emre Ozemirz sieht die Türkei als Friedenstaube / Osman Turhan verspricht Kampf gegen Terror / Tishreen, Damascus: Gehirnwäsche für Rebellen



Syrien hat ein türkisches Flugzeug abgeschossen. Es soll sogar ein zweites türkisches Flugzeug angepeilt haben. Das sind Provokationen, die die wichtige Regionalmacht Türkei nicht hinnehmen kann. Zumal diese Provokationen von einem Nachbarstaat kommen, mit dem es viele Spannungen gibt und worüber ein territorialer Konflikt schwebt. Bei diesem hat Ankara Härte gezeigt und die Kontrolle über das umstrittene Gebiet behalten, das von Syrien beansprucht wird. Die Türkei unterhält eine der größten Armeen der Welt und fühlt sich stark genug, um Damascus auch jetzt in seine Schranken zu weisen.



Doch die Türkei hat einen noch wichtigeren Nachbarn: die Weltmacht Russland, die das Regime von Präsident Bashar Assad massgeblich unterstützt und es praktisch am Leben hält. Russland liefert an Syrien die hochmodernen Abwehrsysteme, mit denen die türkischen Flugzeuge angegriffen wurden. Der türkische Ministerpräsident Recep Erdogan redet zwar von Rache und lässt sich in einem Flugzeug fotografieren (erstes Bild oben). Gleichzeitig aber telefoniert er mit dem russischen Präsidenten Vladimier Putin, um Missverständnisse auszuräumen.

Dieses Telefonat (zweites Bild oben) ist vielleicht die wichtigste aktuelle Entwicklung im syrischen Bürgerkrieg. Erdogan hat Putin sicherlich klargemacht, dass die Türkei die Geduld verliert. Er kündigte bestimmt an, dass Ankara seine militärische Präsenz an der Grenze zu Syrien erheblich verstärkt. Erdogan hat noch den russischen Präsidenten zu überzeugen versucht, dass die Tage von Assad als Machthaber gezählt sind.

Gerne hätte ich gewusst, wie Putin antwortete. Sein Gesicht verrät ja kaum, was er denkt und fühlt. Doch eins ist klar: Russland wird auf seine Bastion Syrien keineswegs verzichten. Russland wird dafür sorgen, dass seine Marine weiterhin in der zweitgrößten Hafenstadt Syriens Tartus (etwa 100 Kilometer südlich von Latakia) einen Versorgungsstützpunkt unterhält. Und Russland ist immer noch davon überzeugt, dass mit dem jetzigen Regime in Syrien seine Interessen am besten aufgehoben sind. Was nach Assad kommt weiß doch kein Mensch.

In der türkischen Öffentlichkeit steht Erdogan zunehmend unter Druck. Gleich vier Karikaturen aus der Zeitung Zaman machen es deutlich. Immer mehr Türken fordern direkte Intervention, um das Blutbad in Syrien zu beenden. Damascus allerdings stellt die Lage ganz anders dar. Für die Regierungszeitung Tishreen (letzte Zeichnung oben) gilt: die Unruhen in Syrien sind auf eine ständige Gehirnwäsche zurückzuführen. Und diese wird von der Türkei aus gesteuert, wo die Rebellen ihre Zentrale unterhalten.

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