Islamist als Präsident am Nil: Wohin steuert die Sphinx? / New president promises ‚Egyptian renaissance‘ / מצרים לאן

Al Ahram, Cairo: wer hat wo gewonnen? /Arab News, Riyadh: Fundamentalist Morsi schlägt General Shafik / Habib Haddad in Al Hayat: Revolution entgleist / Gewalt in ganz Arabien (Zeichnung: Maher Ashour) / Al Majalla: wohin steuert die Sphinx? / Ha'aretz: Juden wurden schon längst vertrieben



דניאל דגן - Heute zeige ich Ihnen ein gespaltenes Ägypten. Ein Land, das zwischen zwei Richtungen seinen Weg finden muss. Nämlich zwischen einem Gottesstaat islamistischer Prägung oder einem weltoffenen Land, das sich der Moderne nicht verschließt.



Die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl machen deutlich: die Islamisten haben die Oberhand. Sie stellen den Präsidenten. Sie können sich auf eine Mehrheit stützen, die bei den letzten Parlamentswahlen noch viel klarer war. Mohamed Morsi und die hinter ihm stehende Muslim Brotherhood haben praktisch ein Mandat bekommen, Ägypten ganz neu zu gestalten. Die Karte der führenden ägyptischen Zeitung Al Ahram (erste Zeichnung oben) drückt die Situation grafisch aus: die größte Fläche des Landes (blaue Farbe) ist in den Händen derjenigen, die den Islam als "Die Lösung" für die Probleme ansehen.

Doch es gibt auch viel Widerstand. In Ballungszentren wie Cairo und Alexandria hat der laizistische Kandidat eine knappe Mehrheit bekommen (rotbraune Farbe). Dort hätte er vielleicht einen deutlicheren Vorsprung gehabt, wenn er nicht vom Militär gekommen wäre. Ahmad Shafik war Ministerpräsident unter dem früheren Präsidenten Hosni Mubarak. Er gilt insofern als Vertreter des alten Regime, das immer noch an der Macht klebt. Viele liberal denkende Menschen, die die Islamisten ablehnen, haben sie dennoch gewählt, um endlich einen Wechsel herbeizuführen.

Aber Wechsel  in welche Richtung? Das ist noch ungewiss. Der Machtkampf zwischen Militär und Islamisten geht ja unvermindert weiter. Das Militär duldet zunächst Mohamed Morsi als Präsident, weil es die Mobilisierung der Straße gegen sich befürchtet. Doch die wichtigsten Kompetenzen bleiben immer noch in den Händen der Generäle. Und sie denken gar nicht daran, auf ihren Einfluss im Staat, in der Wirtschaft und in der Gesellschaft zu verzichten.

Das kommt Morsi gar nicht so ungelegen. Denn mit der Sharia, das muslimische religiöse Gesetz, kann er ganz bestimmt nicht 85 Millionen Ägypter ernähren. Er ist auf Hilfe aus dem Westen angewiesen. Er weiß ganz genau, dass der Weizen für das ägyptische Brot vor allem aus den USA kommt. Ohne Ausgleich mit dem Militär wird Morsi (und mit ihm Ägypten) von dieser lebenswichtigen Unterstützung abgeschnitten.

Erste Aufgabe für Morsi ist nun Verständigung mit dem Militär. Er muss definieren und festlegen, wo seine Kompetenzen liegen und welche Rolle er übernimmt. Höchstwahrscheinlich wird er nicht überstürzt handeln. Er und die Muslim Brotherhood hat auf diesen Moment lange gewartet. Nun wollen die Fundamentalisten die Institutionen nach und nach erobern. Es wird also einen Prozess geben, bei dem die Islamisten immer mehr Befugnisse bekommen und langsam aber sicher die jetztigen Machthaber verdrängen.

Eine persönliche und politische Anmerkung: als gebürtiger Ägypter geht mich die Lage natürlich etwas an. Ich mache mir große Sorgen um das Land. Wie alle Ägypter muss ich befürchten, dass nun eine lange Periode der islamistischen Unterdrückung bevorsteht, unter der vor allem Frauen leiden werden. Wir Juden wurden aus Ägypten (und eigentlich aus ganz Arabien) schon längst vertrieben. Doch ich wünsche von Herzen, dass andere weltoffene Personen und Gruppen in Ägypten bleiben und für eine bessere Zukunft dieses großen Landes streiten.

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