Syrien: dieser Bürgerkrieg ist auch ein Glaubenskrieg

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דניאל דגן - Der Bürgerkrieg in Syrien ist zunehmend ein Glaubenskrieg. Früher ging es eher um Repressalien und Freiheit. Heute geht es mehr und mehr um die Stellung der rivalisierenden Religionsgemeinschaften in Staat und Gesellschaft. Diese Wende erklärt zum großen Teil, warum der Bürgerkrieg immer brutaler wird.

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Die meisten Syrer sind Sunniten. Doch die Macht wird seit vielen Jahren überwiegend von Alawiten ausgeübt - eine relativ kleine Religionsgemeinschaft (nur etwa 10 Prozent der Bevölkerung). Noch bis vor kurzem konnte sich die Machtdynastie von Bashar Assad auf die Loyalität der Armee stützen, obwohl die meisten Soldaten Sunniten sind. Das ist heute nicht mehr der Fall. Immer mehr junge Leute, die Wehrdienst leisten, besinnen sich auf ihre religiöse Glaubensrichtung. Viele von ihnen desertieren und wechseln die Fronten.

Das Regime reagiert darauf mit Härte. Statt die reguläre Armee gegen demonstrierende Menschen einzusetzen, werden zunehmend alawitische Spezialeinheiten geschickt um die Rebellen auszuschalten. Diese Einheiten sind relativ klein und stark motiviert. Sie betrachten sich selbst als Kämpfer, die ihre Glaubensgenossen retten. Aus ihrer Sicht haben sie keine andere Wahl, als die Rebellion mit massiver Gewalt zu beenden. Sonst müssten sie Massaker unter Alawiten fürchten.

In der arabischen Welt schaut man oft auf das Beispiel des Nachbarlandes Irak. Dort haben in den letzten Jahren Sunniten und Schiiten vehement gegeneinander gekämpft. Diese brutale Gewaltanwendung auf Markplätzen, auf Straßen und in Gotteshäusern geht unvermindert weiter (oben wieder ein aktuelles Beispiel). Entwicklungshilfe und Verbesserung der Lebensbedingungen sind sehr wichtig. Doch sie taugen nicht, um die Rivalitäten unter den muslimischen Religionsgemeinschaften zu beseitigen.

Saudi Arabien ist die Bastion der Sunniten. Es sieht mit Argwohn zu, wie der schiitische Gottesstaat Iran in Syrien zugunsten der Alawiten interveniert. Und es kritisiert heftig auch die Verhältnisse im benachbarten Irak, wo der iranische Einfluss kontinuierlich zunimmt. In der letzten Zeichung oben sehen Sie es deutlich: nur noch mit Hilfe des Iran kann sich der irakische Ministerpräsident Nouri Al-Maliki an der Macht halten. Aus saudischer Sicht ist das Gift für das Zweistromland.

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