Moderne Zeiten: Google & Doodle zum Tag der Arbeit / Labor rallies: May Day celebrations around the world / אחד במאי אז והיום

Wikipedia: Plakat zum 1. Mai (Russland 1920) / Periódico 26, Cuba: Mobilisierung wie in alten Zeiten / Baidu: chinesische Suchmaschine zeigt Arbeiter / Die Welt sowie Google: Frauenpower-Doodle! / Israel: Plakat von 2009 / Kommunistische Jugend Österreich: auf die Barrikaden! / L'Humanité, Paris: Sarkozy provoziert zum 1. Mai



דניאל דגן - Mit dem Tag der Arbeit verbinde ich unter anderem die Vorstellung, dass man keine Arbeiter einstellen darf. Mit diesem, ideologisch bedingten Grundsatz, bin ich tatsächlich aufgewachsen! Die Begründung holte man bei den großen Werken von Marx und Engels, die Vordenker des Kommunismus. Sie lautete: Wenn man jemanden einstellt, so bedeutet es zwangsläufig, dass man diese Person ausbeutet. Denn man wird ihr nicht für den vollen Wert ihrer Lesitung zahlen. Etwas muss ja für den Profit bleiben. Das ist verpönt.



Damals galt die heilige Maxime, dass man die ganze Arbeit, die anfällt, unbedingt selbst erledigen muss. Das führte aber zur Absurdität. Unser Kibbuz war (und bleibt!) wirtschaftlich sehr erfolgreich. Fleiß, Eigeninitiative und Innovation wurden GROß geschrieben. Es gab sehr viel Arbeit. In der Landwirtschaft. In den Werkstätten. In verschiedenen Dienstleistungen. Doch wir durften keineswegs Menschen einstellen, die in einer benachbarten Gemeinde lebten und unter hoher Arbeitslosigkeit litten. Prinzip ist Prinzip!

Vieles hat sich inzwischen geändert. Man darf die Realitäten nicht verkennen. Zwar bleibt es beim Prinzip Selbstleistung und Eigenarbeit. Doch der Kibbuz hat schon längst viele Arbeitssuchende eingestellt. Diese werden relativ gut bezahlt - jedenfalls besser, als in vergleichbaren Tätigkeiten anderswo. Das ist eine erzwungene Veränderung, die sowohl dem Kibbuz als auch der Gesellschaft insgesamt gut tut. Im Übrigen geht es gar nicht anders, wenn man Marktanteile behalten und sich an der Spitze behaupten will.

Auch sonst hat sich viel verändert. So viel, dass man den 1. Mai in Israel kaum noch begeht. Der Hintergrund hierfür ist die tiefe Enttäuschung von den sogenannten sozialistischen und kommunistischen Ländern und Parteien. Nach und nach hat man einsehen müssen, dass es im Verhältniss zum jüdischen Staat gar nicht um die eigentlichen, hochgepriesenen Prinzipien der Solidarität der arbeitenden Menschen ging. Es ging immer wieder um politische Interessen und um blanken Hass. Viel Neid und Hass auf Israel, der gerade von manchen internationalen, selbsternannten "sozialistischen" Kreisen kam.

Ein offizieler Feiertag war der 1. Mai in Israel nie. Doch in den ersten Jahrzehnten nach der Gründung des Staates wurde er fast in allen Städten und Gemeinden mit großem Aufwand gefeiert. Heute ist der 1. Mai ein ganz normaler Arbeitstag in Israel. Hier und da wird noch - meist nur von kleinen Gruppen - für die Rechte der Arbeiter demonstriert. So ändern sich die Zeiten.

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