Ägypten: die Islamisten kommen; die Wirtschaftsleistung geht zurück / Netanyahu plays down gas dispute with Egypt / אספקת גז מצרית: עכשיו גם פיצוץ פוליטי

Ronny Gordon in Jerusalem Post: Ägypten früher & heute / Mein Ägypten / China Youth Daily: Islamisten auf der Straße / Masrawy, Cairo: Islamist Shater heizt die Menge an / Or Reichert: dieses Minarett blockiert die Pipeline / Shlomo Cohen in Israel Ha'yom: was soll man noch dazu sagen?



דניאל דגן - Als die Arabellion vor über einem Jahr begann, war ich an mehreren Diskussionen zum Thema beteiligt. In den verschiedenen Runden, die von Radio- und TV-Sendern in Europa ausgestrahlt wurden, wiederholte sich ein ähnliches Strickmuster. Einige Kontrahenten haben von mir quasi "verlangt", dass ich schnelle und großzügige Zugeständnisse seitens Israels ankündige. Es hieß immer wieder: "Der Aufbruch kommt... der Wechsel ist da... Arabien wird demokratisch... Jerusalem sollte zugreifen und die Flucht nach vorne wagen..."



Ich habe höflichst aber bestimmt reagiert. Ich habe auf die historischen Erfahrungen mit Revolutionen überall hingewiesen. Selbst in Europe. Etwa in Frankreich, wo es Hundert Jahre dauerte, bis die Revolution in echte Demokratie mündete. Als Kenner meiner Geburtsstadt Cairo habe ich versucht, Grundwissen über Ägypten zu vermitteln. Ich habe erklärt, dass die Bevölkerungsexplosion das Hauptproblem des Landes ist. Geburtskontrolle wäre momentan wichtiger als scheinheilige Freiheiten, die mit ziemlicher Sicherheit Extremisten an die Macht bringen würden (mehr zum Thema morgen in Freiburg).

In der Euphorie, die damals in Europa herrschte, wurden solche Warnungen kaum gehört. Auch nicht dann, als sie von erfahrenen ägyptischen Politikern ausgesprochen wurden - etwa Boutrous Ghali. Die westliche Öffentlichkeit wollte in der arabischen Frühlingssonne baden. Illusionen sind doch so schön! Warum nicht genießen? Warum nicht den Zuhöreren und Zuschauern erzählen, dass sich die jahrhundertlange, teilweise blutige Konfrontation zwischen dem muslimisch geprägten Orient und dem westlich geprägten Westen zuende neigt?

Nun sind wir alle ein Stück schlauer. Auch die diversen "Experten", die unzutreffende Analysen präsentiert haben, können sich den Tatsachen nicht mehr ganz entziehen. In der ersten Phase führten die arabischen Revolutionen nicht unbedingt zu mehr Freiheit. Zum großen Teil untergraben sie (zunächst) gewisse, begrenzte Freiheiten für Frauen, die unter autoritären Regimen noch geduldet waren. Islamisten sind auf dem Vormarsch. Tunesien und Ägypten sind gute Beispiele.

Freiheit bedeutet übrigens auch Freiheit von Hungersnot. In Ägypten gibt es heute viel mehr Hunger als vor der Revolution. Chaos breitet sich aus. Die Wirtschaft leidet. Der Tourismus ist erheblich zurückgegangen. Nun hat Ägypten, unter dem Druck der Islamisten, die Lieferungen von Erdgas nach Israel eingestellt. Zuvor wurde die Pipeline, die das Gas von Sinai transportierte, viele Male durch Anschläge beschädigt. Die Verlässlichkeit- die eine wichtige Grundlage für jede wirtschaftliche Zusammenarbeit bildet - war längst dahin.

Für Ägypten bedeutet dieser Schritt ein Verzicht auf eine wichtige Einnahmequelle und eine weitere Verschärfung der Krise. Für Israel ist es (wirtschaftlich gesehen) ziemlich belanglos. Israel versorgt sich seit langem aus anderen Quellen. Und im Übrigen hat Israel riesige Gasvorkommen vor seiner Küste gefunden. Die Erschließung wird beschleunigt und erfolgt binnen zwei Jahren. In absehbarer Zeit wird Israel zu einem großen Exporteur von Erdgas aufsteigen.

Lesen Sie bitte auch diese Beiträge:

Israel-Griechenland-Zypern: neues Kräfteverhältnis im östlichen Mittelmeer

Ägypten aktuell: erst Brot, dann Freiheit

_________________________________

You are most welcome to follow and comment on Facebook & Twitter

Anmelden