Alltag im Netz: was macht die Oma aus Landshut? / Internet Hype: I just want to write a simple letter; may I? / זמנים מודרניים

Joma in La Vanguardia: alte und neue Säulen unserer Gesellschaft / Racheli Shalev in Ma'ariv: selbst die Liebe / Odyssee Dao in Figaro: ..findet man nur noch im Netz / Kurier, Wien: ...wie das Beispiel Österreich belegt / Stern sowie Handelsblatt: ist nur noch das Zukunftsmusik?



דניאל דגן - Neulich habe ich ein Arbeitsvisum für ein wichtiges Land beantragt, das für seine strengen Bestimmungen bekannt ist. Es ermöglicht unbegrenzte Einreisen über mehrere Jahre sowie längere Aufenthalte. Wie sich das gehört, habe ich nur richtige Angaben gemacht. Sonst wäre ich für immer aus diesem Land verbannt. Ich war erfolgreich. Das Visum habe ich problemlos bekommen.



Nun aber berichte ich über eine andere Seite meiner Erfahrung: das recht komplizierte und zeitraubende Prozedere lief zunächst nur übers Internet. Ein Antrag auf normale Papierformulare ist völlig ausgeschlossen. Die ganzen Daten wurden ausschließlich virtuell weitergegeben. Ein Telefonat ist nur möglich, um einen Termin für das abschließende Interview mit dem zuständigen Angestellten des Konsulats zu vereinbaren.

Doch es wäre sehr teuer gewesen - fast ein Euro die Minute! Und das noch über einen anonymen Dienst, der Wartezeiten wahrscheinlich absichtlich einbaut, um seine Gewinne zu steigern. Ich habe es vorgezogen, auch den Termin elektronisch zu vereinbaren und kam dabei nicht schlecht weg - umgerechnet nur 7,58 Euro, die von meiner Kreditkarte abgezogen wurden. Das Interview lief übrigens bestens. Ich kam dem Beamten sehr glaubwürdig vor. Er brauchte keine zwei Minuten, um eine für mich positive Entscheidung zu treffen. Ich bin rundum zufrieden.

Vor einigen Tagen musste ich einen Laptop zur Reparatur geben. Auch das geht auschließlich über Internet. Telefonische Anfragen sind so überteuert, dass sie praktisch nicht in Frage kommen. Und der Gipfel der virtuellen Odyssee: der Hersteller erwähnt nirgendwo seine Adresse, an die man einen Brief schicken könnte! Diese habe ich erst erfahren, nachdem der Reparaturauftrag fertig ausgestellt war. Erst dann wurde der Ort der Werkstatt enthüllt. Nun habe ich dorthin ein ganz normales Schreiben geschickt. Auf Papier. Ich bin gespannt, ob eine Antwort kommt oder nicht.

Diese Geschichten erzähle ich, weil ich bei dem ganzen Wirrwarr an Menschen dachte, die sich im Netz nicht zurechtfinden. Ich dachte an die unbedarfte Oma aus Landshut, die womöglich noch nie im Internet surfte. Ich dachte auch an bestimmte, mir bekannte Personen - manche nicht mal alt! - die schlicht und einfach an Papier hängen und mit unserer virtuellen Welt nichts zu tun haben wollen. Sind die Institutionen und Einrichtungen unserer Gesellschaft auch für diese Menschen da?

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