Lehrstunde Arabellion: wider den Realitätsverlust im Orient / Struggle and survival in the Middle East / איך מחזיקים מעמד

Zaman , Istanbul: beten und predigen / Al Jarida, Kuwait: für den Papierkorb reden / Emad Hajaj, Jordanien: auf morgen vertagen / Ali Ferzat, Syrien: die Uhr tickt nicht mehr / ...so leisten wir brüderliche Hilfe (Quelle: BSyria) / Kianoush: ...mit dieser Konsequenz in Syrien



דניאל דגן - Der Realitätsverlust, unter dem Günter Grass offensichtlich leidet, ist in seinem Fall besonders akut. Hier eine gute Analyse in der Zeitschrift Focus. Gerade aus diesem Grund finde ich die Entscheidung völlig falsch, Günter Grass die Einreise nach Israel zu verweigern. Der Nobelpreisträger für Literatur braucht mehr - nicht weniger! - Konfrontation mit den Realitäten in der Region, die ihn mit großer Besessenheit beschäftigt.



Auf diesen Seiten versuche ich häufig, Realitäten im Orient den Menschen im Westen näher zu bringen. Heute tue ich das mit Blick auf die heftige Debatte, die das "Gedicht" von Günter  Grass auslöste. Hoffentlich werden diese Zeilen und Zeichnungen den einsamen Autor erreichen, der seit einigen Tagen ziemlich isoliert zu sein scheint. Grass - und eigentlich wir alle! - brauchen mehr Wissen über die kritischen Kommentare in der arabischen und muslimischen Welt.

Diese lauten, wie ich exemplarisch zeige (und nun mit eigenen Worten zu deuten versuche): Wir Araber reden bekanntlich sehr viel und zuweilen großspurig. Wir Araber verlangen viel von anderen. Wir Araber machen vollmundige Ankündigungen. Wir Araber versprechen gerne das Blaue vom Himmel herunter. Wir Araber wecken große Erwartungen. Nicht umsonst ist die Arabellion in aller Munde!

Doch was haben wir tatsächlich getan? Wo bleibt der schöne, sogenannte Arabische Frühling? Was machen die arabischen Revolutionen? Wo ist die Freiheit stecken geblieben? Warum sind wir nicht in der Lage, den mutigen syrischen Aufständischen Hilfe zu leisten? Warum bremsen wir nicht selbst die nuklearen Ambitionen des Iran, vor denen wir ja große Angst haben? Warum kommen unsere hochmodernen Flugzeuge nicht zum Einsatz, die wir überall in der Region haben?

Warum müssen wir uns auf den Westen verlassen (und ihn dann noch beschimpfen - wie im Fall von Libyen)? Warum können wir nicht selbst tätig werden? Wozu taugen unsere gemeinsamen Institutionen? Wissen wir etwa nicht, dass in unserer Region die Schwachen keinerlei Überlebenschance haben? Warum hoffen wir insgeheim, dass auch noch im Iran die Amis und die bösen Juden für uns agieren und die Kastanien (sprich die Atomanlagen) aus dem Feuer holen?

Zum Schluss noch ein Rat an Günter Grass: Sie wollen bestimmt mehr über das Lebensgefühl der Menschen in Israel erfahren. In der aktuellen Kontroverse haben Sie bereits sehr viel von Deutschen sowie von deutschen Juden gehört und gelesen. Suchen Sie nun das Gespräch mit der anderen Hälfte Israels. Wenden Sie sich an orientalische Juden, die Unterdrückung und Verfolgung in arabischen bzw. muslimischen Ländern (einschließlich Iran) entkommen konnten. Gerne bin ich bereit, Ihnen Kontakte zu vermitteln sowie für Sprachverständigung zu sorgen.

Lesen Sie bitte auch diese Beiträge:

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