Israel & die Verhöhnung der Shoa-Opfer: diese Bilder hätten nicht entstehen dürfen / Anger in Israel at ultra-Orthodox use of Shoa / מחאה? לא, בושה וחרפה

Amos Biedrman in Ha'aretz: in Israel sitzen Frauen ganz vorne! / ...auch wenn SO dagegen protestiert wird / Moshik in Ma'ariv: NEIN zu DIESEM Protest / Ronny Gordon in Jerusalem Post: ...NEIN zur Verscheuchung von Frauen mit solchen Pelzhüten / Or Reichert: Protest? NEIN, Verhöhung! / Shlomo Cohen: dieser Überlebende versteht die Welt nicht mehr



דניאל דגן - Wir Juden haben eine sehr ausgeprägte Streitkultur. Im Prinzip ist es gut. Es ist eine Quelle der Stärke. Es erklärt zum großen Teil, warum das jüdische Volk überhaupt noch existiert. Es lässt vielleicht ahnen, wieso sich ein jüdischer Staat in einer äusserst feindseligen Umgebung behaupten kann.



Doch es gibt bestimmte Grenzen. Streit und Protest dürfen nicht in Verhöhnung der Shoa Überlebenen ausarten, wie es zur Zeit der Fall ist. Heftige Kontroversen über den richtigen Weg zum Frieden dürfen nicht dazu führen, dass mit Geldern von europäischen Regierungen Kampagnen zur Dämonisierung und Delegitimierung des jüdischen Staates geführt werden.

Das aktuelle, schreckliche Beispiel: manche ultraorthodoxen Juden protestieren vehement dagegen, dass sie im öffentlichen Raum die Frauen nicht diskriminieren dürfen. Es kling unglaublich, ist aber leider wahr. Diese Protestierenden wollen den Staat dazu zwingen, ihre Auffassung von der Gesellschaft zu übernehmen. Frauen sollten im Bus nur noch hinten sitzen... Frauen sollten nur noch separate Gehwege benutzen... Frauen würden keinen Militärdienst leisten dürfen... es geht weiter und weiter...

Bei den letzten Demonstrationen haben die Ultraorthodoxen zur Shoa gegriffen. Sie haben sich als Opfer dargestellt und ihre Situation mit der der Juden in Konzentrationslagern verglichen. Das ist nicht nur geschmacklos. Das ist auch eine Verhöhnung der Shoa-Überlebenden. Es ist auf Schärfste zu verurteilen, wenngleich es nicht verboten werden kann und soll.

Ganz nebenbei kurze Erläuterung: die protestierenden Ultraorthodoxen genießen Privilegien, die völlig unverständlich sind. Viele von ihnen dienen nicht in der Armee und leisten auch keinen Ersatzdienst. Viele von ihnen werden vom Staat unterstützt, weil sie nicht in den Arbeitsmakrt gehen wollen. Manche von ihnen bekämpfen sogar den Staat Israel mit dem Argument, dass man dem Messiah nicht vorgreifen soll.

Mir ist natürlich bewusst, dass viele Nicht-Juden verwirrt sind, wenn sie die aktuellen Bilder aus Israel sehen. Sie fragen sich wohl: was ist los mit diesen intelligenten, weltgewandten Juden, die sonst als schlau und fähig gelten? Wie kommt es, dass ausgerechnet in Israel solche Mißstände herrschen? Warum akzeptieren ultraorthodoxe Juden in aller Welt, dass sie in Bus und Bahn neben Frauen sitzen - bloß in Israel nicht?

Die Antwort lautet: Israel hat sich selbst verfangen, indem es den Extremisten unter den Ultarorthodoxen viel zu viel Privilegien einräumte. Es geschah dadurch, dass verschiedene nicht-religiöse Parteien immer mehr Zugeständnisse an die Ultraorthodoxen machten, um an die Macht zu kommen. Daran tragen ALLE nicht-religiösen Parteien Schuld. Linke wie Rechte. Liberale wie Konservative. Eben ALLE.

Es ist höchste Zeit, dieser Absurdität ein Ende zu setzen. Keine Befreiung mehr von Militär- oder Ersatzdienst (was übrigens auch für Araber in Israel gelten soll). Keine großzügige Finanzierung von Schulen und Einrichtungen, bei denen man praktisch nur die Torah lehrt und sich für den Arbeitsmarkt nicht fit macht. Keine Duldung ideologischer und politischer Kämpfe gegen den Staat, die letztlich auf Kosten des Staates gehen.

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