Von Towhuwabohu umgeben… Chanukka 2011 תשע“ב: damals und heute / Hanukkah / חנוכה

Or Reichert: Lichtwunder Chanukka; wird das knappe Geld ausreichen? / The Jewish Journal, Los Angeles: Occupy Wall Street gab es schon damals! / The Jewish Week, New York: wer schießt auf wen? Frage nach Jewish Leadership / Shlomo Cohen: Bruderkrieg damals & heute; es fängt mit Steinen an... / Amos Biedermann in Ha'aretz: Kerzen in Nordkorea / Avital Alter: ... hier im Iran könnten sie auch brennen



Aus meinem Fenster habe ich freien Blick auf einen schönen Weihnachtsbaum. Er leuchtet jeden Abend und strahlt Wärme aus. Auch am frühen Morgen brennen die Kerzen noch stundenlang, bevor die Sonne aufgeht. Er ist eine echte Augenweide. Danke an die christliche Tradition, die mir diesen Genuß so großzügig beschert! Und danke an meinen Freund Kurt Beck! Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, den ich seit vielen Jahren kenne, hat veranlasst, diesen Weihnachtsbaum vor der Vertretung seines Landes in Berlin aufzustellen. Dabei hat er ganz bestimmt auch an mich gedacht!



Denn ich selbst habe keinen Weihnachtsbaum in meiner Wohnung. Für mich wäre das undenkbar. Ich halte mich an die jüdischen Traditionen, die ja auch sehr schön sind. Heute abend werde ich im Kreis meiner Familie die erste von acht Chanukka Kerzen anzünden. Sie spenden ebenfalls schönes Licht. Und auch sie bringen Wärme ins Haus. Zudem erinnern sie an ein Ereignis, das das jüdische Volk auf eine harte Probe gestellt hat.

Viele Nicht-Juden fragen mich häufig: wie kommt es, dass das jüdische Volk noch existiert? Wie kommt es, dass sich ein jüdischer Staat in einer schwierigen Umgebung noch behaupten kann - und zwar aller Widerstände zum Trotz? Wie ist es zu erklären, dass diese bestimmte Schicksalsgemeinschaft, die die Juden bilden, nicht wie viele andere Völker der Antike verschwunden ist?

Ich habe die Antworten parat. Darüber kann ich stundenlang reden, und ich tue es auch immer wieder. Sie dürfen mich gerne engagieren (einige Termine im kommenden Jahre sind noch frei). Doch heute habe ich gewählt, Sie nicht mit langen Reden aufzuhalten. Wahrscheinlich müssen Sie noch die letzten Weihnachtsgeschenke aussuchen und liebevoll verpacken.

Daher zeige ich Ihnen bildlich, wo das Geheimnis liegt: eben in dem ständigen Versuch, die Erfahrung der langen Geschichte relevant und aktuell zu machen. In den ehrlichen, kritischen Auseinandersetzungen mit Fehlern, die unsere Vorfahren gemacht haben. In der unermündlichen, offenen Suche nach der Wahrheit - und das unter Einbeziehung der alten Quellen, die Halt und Inspiration geben.

Vergessen Sie bitte nicht: wir Juden sind modern und altmodisch zugleich. Das alte Testament lesen wir in Hebräisch. Ganz genau, wie es vor über 2000 Jahren niedergeschrieben wurde. Gleich im ersten Satz dieses Buches steht der Ausdruck תוהו ובוהו , der mit Tohuwabohu längst in der deutschen Sprache wörtlich und sinngemäss übernommen wurde. In dieser konfusen Welt suchen wir Juden den richtigen Weg. Erfolgreich können wir nur sein, wenn wir pausenlos hinterfragen und auch in modernen Zeiten unsere Wurzeln nicht ganz vergessen.

Lesen Sie bitte auch diese Beiträge:

Chanukka Leuchter: die Fantasie kennt keine Grenzen!

Nach der Katastrophe: die Künstler Israels zeigen, wie es nun weitergeht

_________________________________

Please also follow us on Facebook , Twitter & Yahoo!

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

Anmelden