Rückzug aus dem Irak: ein freies, richtungsloses Land am Euphrat… / Iraq is likely to fall apart / עיראק לאחר הנסיגה

Amer in Al Bayan, Dubai: Rückzug aus dem Irak / Assabah, Bagdad: ...doch aus welchem? / ...unter diesem Staatswappen malt sich jeder etwas anderes aus / Al Badeal: Demokratie oder Islamisierung? / Alefyaa: Märchen Irak (Bericht über Wettbewerb zur Kinderliteratur im Land von Aladin)



דניאל דגן - US Präsident Barack Obama hat gestern eine eindrucksvolle Rede gehalten. Es ging um den Rückzug der US Army aus dem Irak. Das Land ist nicht perfekt, sagte der Präsident. Doch wir gehen raus mit erhobenem Kopf... Obama mag Recht haben. Die Amerikaner haben sich bemüht. Sie haben viel investiert. Sie haben alles getan, um Irak von einer schlimmen Diktatur zu befreien und den Übergang zum Besseren zu begünstigen.



Doch auch die stärkste Armee der Welt kann demokratische Verhältnisse nicht aufzwingen. Auch die Supermacht USA kann nicht bestimmen, ob geordnete Verhältnisse im fernen Irak eingehalten werden. Das ist eine Sache der Iraker selbst. Und sie sind tief gespalten. Entsprechend auch ihr Land, das nach dem Rückzug noch viel mehr als bisher vom benachbarten Iran beeinflusst wird.

Auf die Situation im Irak ging Obama im Einzelnen nicht ein. Was hätte er schon sagen können? Der amerikanische Präsident weiß nicht mehr als Sie und ich. Er hat den Rückzug angeordnet, weil Amerika kriegsmüde ist. Er sah sich zu diesem Schritt gezwungen, weil das angekündigte Ziel - Demokratie für das Land am Euphrat - mit militärischen Mitteln nicht umzusetzen ist. In der gegenwärtigen Lage hätte sich jeder US Präsident genauso verhalten. Einschließlich Georg W. Bush.

Die Einheit des Irak ist keineswegs gesichert. Im Norden gibt es bereits ein autonomes kurdisches Gebiet. Es könnte zur offiziellen Gründung eines kurdischen Staates kommen (was allerdings die Türkei unbedingt verhindern will). Im Süden des Irak versuchen Anführer der schiitischen Mehrheit, ihre Vorstellung von Staat und Religion geltend zu machen. Bagdad bleibt ein Pulverfass. Der Ausgleich zwischen den verschiedenen religiösen und ethnischen Gruppen gestaltet sich äusserst schwierig.

Es gibt allerdings eine erfolgreiche Zivilgesellschaft - in bester irakischer Tradition. Sie hat in den letzten Jahren neue Impulse bekommen. Es gibt eine spannende, lebhafte und kreative kulturelle Szene. Der Richtungsstreit ist unvermeidbar. Er wird leider auch blutig ausgetragen. Der Irak hat aber eine Zukunft, wenn aufgeklärte Irakis im Land bleiben und für eine bessere Gesellschaft kämpfen.

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