Tour d’horizon Arabien: Schatten soweit das Auge reicht / Yemen president Saleh quits; civil war looms / ליקוי חמה במצרים

Nawaf Al-Mulla in Al Bilad, Bahrain: Aufstand entzündet / Ali Khalil: ...und  brutal niedergeschlagen / Akhbar Alkhaleej, Manama: die Staatsmacht versagt... der König soll nun reagieren ... / Al Motamar sowie Al Ahali, Yemen: Berichte über Chaos & Stammesfehden / Shlomo Cohen: Finsternis am Nil-Delta



דניאל דגן - Mir ist auch nicht wohl, wenn ich Meldungen wie oben bringe. Doch ich muss versuchen, die Realität so zu beschreiben, wie sie eben ist. Sonst wandern Sie als Leser zur Konkurrenz ab. Ich als Journalist hätte das Nachsehen. Das kann ich mir nicht leisten.



Die vielzitierte, schöne arabische Revolution ist erstmal gescheitert. Die nüchterne Zwischenbilanz fällt leider negativ aus. Passend zur Jahreszeit wird der helle Frühling zum grauen Winter. Anstelle von Freiheit und Demokratie gibt es zunächst Sonnenfinsternis. Das Stichwort hat mir Kollegen Shlomo Cohen geliefert, der seine Aussagen kunstvoll zeichnen kann.

Das Wort habe ich lediglich ins Deutsche übersetzt. Das heißt: die einzelnen Buchstaben von links nach rechts statt von rechts nach links versetzt. Dazu habe ich noch den Ort des Geschehens aufgezeigt und etwas verdunkelt. So bekommen wir als Westler Einblicke in den Orient. Und was sehen wir? Auf dem Tahrir Square gibt es wieder Gewalt. Meine Geburtsstadt Cairo brennt. Das ist leider eine Tatsache, die selbst ausgewiesene Traumtänzer im Westen nicht mehr übersehen können.

Auch anderswo sieht es nicht viel besser aus. Hier einige Beispiele:

  • Tunesien: hier haben zunächst die Islamisten das Sagen. Für die Rechte der Frauen (und der Menschen überhaupt) verspricht das nichts Gutes. Auch nicht wenn wir im Westen verharmlosen und sagen, dass eine "moderate" islamistische Partei die Macht übernimmt.
  • Ägypten: die Militärdiktatur von Mubarak wurde zunächst durch eine Militärdiktatur der gleichen Armeeführung ersetzt, die Mubarak früher an der Macht hielt. Die Spitze der Armee genießt viele Privilegien. Sie kontrolliert große staatliche Betriebe. Sie wird vom Westen massiv unterstützt. Auf diese Machtfülle wird sie nicht verzichten.
  • Bahrain: der Aufstand wurde sehr brutal unterdrückt. Nun ist es auch amtlich - von einer hochkarätigen Untersuchungskommission festgestellt. Doch es heißt keineswegs, dass ein Regimewechsel bevorsteht. Der König bleibt der allmächtige König, und die sunnitische Minderheit wird weiterhin bevorzugt. Allenfalls sind kosmetische Veränderungen zu erwarten.
  • Jemen: Präsident Saleh gibt auf. Doch er hinterlässt Chaos und Stammesfehden. In mehreren Regionen hat Al Kaida freie Hand. Von Freiheit und Demokratie kann keine Rede sein. Eher  ist ein wieder aufflammender Bürgerkrieg zu erwarten.
  • Syrien: Präsident Bashar Assad kämpft gegen die Mehrheit des eigenen Volkes. Aus seiner Sicht hat er keine andere Wahl. Bei einem Sieg der Opposition drohen Massaker an der herrschenden alawitischen Minderheit. Die arabische Liga wird nichts tun. China und Russland werden weiterhin jede von der Uno legitimierte Intervention verhindern.

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