Moshe Katsav: der Bericht, den ich nicht schreiben wollte / Should Katsav’s statue be removed from the President’s Residence in Jerusalem? / משה קצב: הוויכוח על הפסל במשכן הנשיא

Tamir Shaltai in ELSF: Katsav entlarvt; Buchstaben stehen für Namen seiner Opfer / Amos Biederman in Ha'aretz: Katsav, der Gefangene Nummer 1 / Shlomo Cohen in Israel Ha'yom: Wappen des Präsidenten; unten links Gefängnis / Ma'ariv: "Katsav hat den ganzen Tag geweint" / Arutz2 TV: seine Büste steht noch im Amtssitz des Präsidenten



דניאל דגן - Es kommt selten vor, dass ich einen Artikel nicht schreiben will. Heute ist das der Fall. Heute berichte ich darüber, dass der frühere Präsident des Staates Israel, Moshe Katsav, nächsten Monat höchstwahrscheinlich ins Gefängnis kommt. Denn diese Woche hat das oberste Gericht des Landes ein Urteil bestätigt, wonach Katsav eine Frau vergewaltigt und einige andere Frauen belästigt hat.

Viele Leser erwarten von mir, dass ich Stellung dazu nehme. Wie oben gesagt tue ich das wider Willen. Doch immerhin ich mache das. Es ist eine unangenehme, schmerzhafte Pflicht. Für mich ist sie insofern besonders peinlich, da ich Katsav persönlich kenne und auf mehreren Stationen seiner unglaublichen Karriere mit großer Sympathie begleitete.

Katsav ist ein Flüchtling aus dem Iran. Er hat mehrere wichtige Ämter im jüdischen Staat bekleidet. Die Krönung war das Amt des Präsidenten. Seine damalige Wahl war ein wichtiges Signal in der israelischen Politik. Orientalische Juden - meist Vertriebene aus Arabien - wurden in Israel teilweise diskriminiert. Nun hat es einer von ihnen geschafft, ganz an die Spitze zu kommen. Israel konnte stolz sein.

Doch heute ist Israel traurig. Die Richter, die das letzte Wort sprachen, sind auch traurig - wie sie es selbst im Urteil niedergeschrieben haben. Natürlich bin auch ich traurig. Es wurde gleich in zwei Instanzen festgestellt, dass Katsav als Vergewaltiger für sieben Jahre hinter Gitter muss. Seine Anwälte sprechen von einem eklatanten Justizfehler und loten die Möglichkeit aus, diesen vor einer erweiterten Kammer des Gerichts prüfen zu lassen.

An sich ist das Urteil endgültig und kann nicht mehr angefochten werden. Die israelische Justiz hat etwas erreicht, was nur selten vorkommt: einen einflussreichen Würdenträger als Sexualtäter zu überführen. Zurecht sprechen die Opfer von Genugtuung. Das ist eine Ermutigung für Frauen, die am Arbeitsplatz oder sonstwo sexuell belästigt werden. Darauf kann Israel wiederum stolz sein.

Haben Sie mal den Amtssitz des israelischen Präsidenten besucht? In einem schönen, gepflegten Jerusalemer Garten stehen Büsten von allen früheren Präsidenten. Am Ende der Reihe auch die von Katsav. Nun geht die Diskussion los, ob diese Büste entfernt werden soll. Der amtierende Präsident, Shimon Peres, hat sich dagegen ausgesprochen. Er sagt, dass Katsav Amtszeit als Präsident zur Geschichte Israels gehört. Im Guten wie im Bösen.

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