Gilad Shalit ist frei: hat Israel richtig gehandelt oder nicht? / He who saves one human being, it is as if he has saved the world / גלעד שליט: העיסקה המסוכנת והשלכותיה

Arabische Zeitungen Asharq Alawsat sowie Al Hayat & Al Quds Al Arabi: Shalit als ein Schloß / Netanyahu gibt nach / stolze arabische Gefangene verlassen das Gefängnis, während Shalit (unten im Kreis) gedemütigt flieht / Or Reichert: die blutigen Hände von Abed / Shlomo Cohen in Israel Ha'yom: auch das oberste Gericht in Jerusalem konnte den gefährlichen Deal nicht stoppen



דניאל דגן - Schauen Sie sich die Zeichnung mit den blutigen Händen an. Links, im kleinen Bild, sehen sie die echten Hände von Abed Alaziz Salaha. Zusammen mit anderen Terroristen hat er im Jahr 2000 in der Stadt Ramallah in der Westbank zwei Menschen gelyncht. Daran erinnert uns die Zeitung Yediot in diesem Bericht. Abed ist offenbar stolz auf seine Tat und wird von der Menge bejubelt, die sich unter dem Fenster versammelte. Mein Kollege Or Reichert zeichnete die blutigen Hände von Abed. Diese sind auf der Entlassungsurkunde zu sehen, die von der israelischen Strafvollzugsbehörde ausgestellt wurde. Denn am heutigen Tag wird Abed das Gefängnis verlassen, obwohl er zur lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt wurde.



Das ist natürlich ein himmelschreiendes Unrecht. Zudem ist diese frühzeitige Freilassung eine Verhöhnung der betroffenen Familien. Ihnen wurde damals versprochen, dass Abed und die anderen Täter ihre volle Strafen absitzen werden. Doch die israelische Regierung hat anders entschieden. Abed - und mit ihm über 1000 andere Gefangene, darunter Schwerverbrecher, die viele Menschen getötet haben - werden die Gefängnisse nun verlassen. Unglaublich aber wahr.

Das wird geschehen, weil die Regierung unter enormem politischem und öffentlichem Druck stand. Sie wollte unbedingt erreichen, dass der entführte israelische Soldat Gilad Shalit endlich wieder frei kommt. Vor über fünf Jahren wurde Gilad von Hamas-Aktivisten in den Gazastreifen entführt. Seitdem ist er so gut wie verschwunden. Kein Kontakt zur Außenwelt. Kein Besuch vom Roten Kreuz. Geschweige denn von Familienangehörigen.

In den USA sind Präsident Barack Obama und Aussenministerin Hillary Clinton nicht bereit, Familienangehörige von entführten Soldaten zu treffen. Der Grund ist einleuchtend. Sollten Obama und Clinton den Müttern und Vätern der Entführten gegenüberstehen, könnten sie sozusagen "weich" werden. Sie würden dann höchstwahrscheinlich dazu tendieren, der Erpressung von Al Kaida oder Taliban nachzugeben. Diese Organisationen verlangen die Freilassung von Terroristen, um dann im Gegenzug amerikanische Geiseln freizulassen.

Im kleinen Israel ist das anders. Die Familienangehörigen von entführten Geiseln treffen regelmässig den amtierenden Ministerpräsidenten. Sie haben selbstverständlich Zugang zum Staatspräsidenten, zu mehreren Ministern, zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte sowie zu anderen Verantwortlichen. Ihr persönlicher Schmerz überzeugt so sehr, dass die Politiker am Ende gegen die Staatsräson und eigentlich gegen die Interessen des Landes handeln. Denn es steht bereits jetzt fest, dass viele der entlassenen Gefangenen an weiteren Anschlägen mitwirken werden.

Wie ist dieser Umstand zu bewerten? Einerseits zeigt es, dass Israel das Schicksal von einem einzelnen Menschen sehr hoch bewertet und dafür viele Opfer zu bringen bereit ist. Das ist sicherlich zu würdigen. Andererseits ist es absolut falsch, so zu handeln. Es bedeutet ein Sieg für die Verbrecher. Und es schwächt erheblich die so bitter notwendige Solidarität im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Dennoch kann man sich vielleicht damit trösten, dass Gilad mit seiner Familie wieder vereint wurde.

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