Eiszeit zwischen Ankara und Jerusalem; die Türkei orientiert sich neu / Turkish Israeli relations hit rock bottom / טורקיה-ישראל: מה שהיה לא יהיה

Wikimedia: Israel und die Türkei / Hurriyet: Seeblockade ist völlig legal /  Haber: ...was Erdogan nicht verschmerzen kann; Niveau der Beziehungen herabgesetzt / Dagistan Cetinkaya in Zaman: Wolke der Missverständnisse / Osman Turhan: Komplott des Westen auch in Libyen?



Was ist der wahre Hintergrund für die schwere Krise zwischen Ankara und Jerusalem? Warum kündigte die Türkei demonstrativ an, dass sie die diplomatischen Beziehungen zu Israel auf eine niedrigere Stufe heruntersetzt? Warum ist Ministerpräsident Recep Erdogan so verärgert? Warum besteht er auf einer formellen Entschuldigung auch nach der klaren Festellung, dass die von ihm unterstützte Gaza Flotilla praktisch gegen internationales Recht handelte? Warum lässt er gar erklären, dass die Türkei selbst bestimmen wird, welches Recht in den Gewässern der Region herrschen wird?

Der Hintergrund ist die Bestrebung der Türkei, neue Allianzen in der arabischen und muslimischen Welt zu schmieden. Unter der Führung von Erdogan hat die Türkei versucht, gemeinsam mit dem Iran und mit Syrien eine regionale Axe zu bilden, die ihren Führungsanspruch in der Region verdeutlicht. Das war von Anfang an höchst problematisch und liess sich nicht mit der Mitgliedschaft der Türkei in der Nato vereinbaren. Mit der brutalen Unterdrückung der Rebellen in Syrien ist diese Initiative endgültig gescheitert.

Deutschlandfunk 3.09.2011: Interview mit Daniel Dagan zur Krise zwischen Ankara und Jerusalem



Erdogan hat zunächst auch versucht, seinen Freund Muammar Gaddafi zu retten, der ihm ja noch vor einem Jahr einen Preis für Menschenrechte (!) verliehen hat. Als klar war, dass Gaddafi nicht mehr zu halten ist versuchte Erdogan, Einfluss auf die künftigen Machthaber in Libyen zu nehmen. Diese Initiative scheiterte am Widerstand des Nachbarlandes Ägypten, das der Türkei mit Misstrauen begegnet. Auch der Westen wollte nicht zulassen, dass die Türkei die neue Ordnung in Libyen bestimmt. Zu suspekt erschien den USA, Frankreich und Großbritannien die jüngste Allianz zwischen Ankara und Teheran.



In der Golfregion versuchte Erdogan die Beziehungen mit Saudi Arabien und anderen Staaten zu intensivieren. Doch die Saudis orientieren sich vor allem an ihrer Rolle als Garant des sunnitischen Islam. Sie sehen mit Argwohn, wie die Türkei aus der Solidarität im Kampf gegen die nuklearen Ambitionen des schiitischen Iran aussteigt.

Es ist eine Illusion zu denken, dass durch einen Abbruch der Zusammenarbeit mit Israel die regionale Stellung der Türkei gestärkt wird. Doch Erdogan befindet sich in der Sackgasse. Für ihn gibt es in absehbarer Zeit kein Zurück mehr. Die alte strategische Allianz zwischen Ankara und Jerusalem ist passé. Nun muss man sich auf eine Eiszeit einstellen. Diese wird durch die neue Ausrichtung der Türkei bestimmt, die von einer ideologischen und religiösen Überzeugung geleitet wird.

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