Refolution in Arabien, gezielte Tötung in Pakistan: wohin eigentlich geht die Reise? / Revolution vs. Refolution: how should the West deal with Turmoil in Arab & Muslem World?

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דניאל דגן - Das erste Wort in der Schlagzeile oben enthält keinen Tippfehler. Es ist ein Begriff, den der britische Historiker Timothy Garton Ash vor einigen Jahren erfunden hat. Er wollte damit die Umwälzungen beschreiben, die in Osteuropa stattgefunden haben. Es waren mehr als nur Reformen, behauptete er. Doch es war noch lange keine Revolution, fügte er hinzu. Also benutzte er die Wortschöpfung Refolution, die sowohl an Reformen als auch an Revolution erinnert.



Nun wird der neue Begriff auch für die revolutionäre Entwicklung in Arabien und in Teilen der muslimischen Welt verwendet. Hier ein aktuelles Beispiel. Allerdings gibt es darüber eine ernsthafte, leidenschaftliche Diskussion unter Akademikern. Manche denken und schreiben, dass der neue Begriff unser Verständnis der Ereignisse nur erschwert. Hier ein Beispiel für die Meinung der Gegner.

Anhand dieser Diskussion wird klar, wie undurchsichtig die Situation ist. Nehmen wir als Beispiel das größte arabische Land Ägypten. Die Ereignisse dort haben uns alle sehr beeindruckt oder gar begeistert. Doch in Ägypten herrscht heute weiterhin die militärische Elite des Landes. Wie auch zuvor unter dem geschassten Diktator Hosni Mubarak.

Die wirtschaftliche Lage Ägyptens ist schwieriger geworden. Keine einzige Reform wurde bisher umgesetzt. Die Muslem Brotherhood hat Rückenwind, weil sie als oppositionelle politische Kraft am besten organisiert ist und als einzige dem Militär die Stirn bieten kann. Islamisten beeinflussen zunehmend die ägyptische Aussenpolitik. Sie haben mehr freie Räume als zuvor und nutzen sie unter anderem, um gegen die christliche Minderheit gewaltsam vorzugehen.

Doch in Ägypten gibt es neue Hoffnung. Die anvisierten Reformen werden mit Vertretern von Gruppen beraten und geplant, die bisher überhaupt nicht gehört wurden. Es gibt eine gewisse Chance, dass mittelfristig demokratische Veränderungen durchgesetzt werden. Vor allem gibt es ein neues Bewusstsein. Die Ägypter können es. Die Araber können es. Die muslimische Welt kann sich aus eigener Kraft modernisieren.

Was kann der Westen machen? Ehrlich gesagt nicht viel. Ansätze für Veränderungen, die nicht aus der muslimischen Welt kommen, werden äusserst skeptisch beobachtet und kommentiert. Wenn sich der Westen gegen Terror verteidigt - wie im Fall der gezielten Tötung von Bin Laden - wird dies in weiten Teilen der muslimischen Welt als ein Angriff gegen den eigenen Glauben wahrgenommen. Die Lage ist zu kompliziert und undurchsichtig, um sie mit einem einzigen Begriff zu erfassen.

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