Die laizistische Türkei wird entstaubt; der Islam tritt hervor / Erdogan wins referendum as Turkey loses basketball title (and probably more) / ארדואן ניצח; טורקיה הפסידה – ולא רק בכדורסל

Prima: Deutsche in der Türkei werden so informiert / Cumhuriyet: das Land hat entschieden / Haber Turk: Grün ist eher islamistisch; Rot ist eher weltlich  / Oppositionsführer gibt Niederlage zu / Or Reichert karikiert die Schlagzeile (siehe oben) / Zaman: Ja und Nein zur Reform / Afghanistan als Thema; in der Türkei sieht man Besetzung durch den Westen / YeniAsia: Kritik an Angela Merkel, weil sie Medienpreis an Karikaturist überreichte, der den Propheten Mohammed zeichnete / Dunya: Medienauftritt auf Türkisch; ist das der neue Stil?



דניאל דגן - Das türkische Volk hat eine Reform verabschiedet, die 26 Änderungen an der Verfassung vorsieht. Diese sind im Sinne der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP, die von Ministerpräsident Recep Erdogan geführt wird. Auch andere islamische und islamistische Kräfte im Lande sehen sich als Sieger. Sie verstehen die Reform als einen Schritt, der die Türkei zu ihren islamischen Wurzeln noch deutlicher als bisher zurückführt.



 



Die oppositionelle Republikanische Volkspartei CHP lehnte die Reform ab, weil sie angeblich die Justiz unter Kontrolle der Politiker bringen würde. Auch in anderen Punkten sieht die Opposition unerwünschte Einflussnahme durch Islamisten, die in der Regierungspartei immer mehr Gewicht bekommen. Die CHP versteht sich als Hüterin des säkularen Erbes von Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk. Nach ihrer Überzeugung ist die Türkei dabei, ihre republikanischen, laizistischen Prinzipien schrittweise aufzugeben und sich in eine islamistische Richtung zu bewegen.

Die nun verabschiedete Reform wird von vielen positiv bewertet, weil sie die Autorität von Militärgerichten einschränkt und - zumindest auf dem Papier - die Menschenrechte stärkt. Doch in der Türkei war die Armee bisher die wichtigste Kraft, die die Beibehaltung der säkularen Staatsordnung garantierte. Die Reform hat somit die Wirkung, dass sie Extremisten und Islamisten mehr Freiräume gibt. Diese verfolgen unter anderem das Ziel, aus der Türkei einen Gottesstaat zu machen. Das iranische Beispiel lässt grüßen.

Erdogan hat sich eindrucksvoll durchgesetzt. Es fällt auf, dass er mehr Unterstützung in ländlichen Gebieten hat, wo die Religionslehre weitgehend befolgt wird. In Großstädten und unter weltlichen Türken hat dagegen die Opposition deutlich mehr Zustimmung bekommen. Eine wichtige Runde im Kampf um die Identität und die Selbstdefinition der Türkei als moderner Staat ist abgeschlossen. Doch der Richtungkampf geht weiter und wird vermutlich sogar noch intensiviert.

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