Orient & Westen unter einem Dach: Erfahrungsbericht / Arab Lifestyle & Western Culture: Bringing together Worlds apart

Damaskus, Syrien (Holidaycheck) / Orientalische Spezialität Hummus (DiscussionsCuisine.fr) / Beatrix Kerschkewicz



Autorin Beatrix Kerschkewicz ist eine Deutsche, die den Orient durch glückliche, persönliche Umstände näher kennenlernen durfte. Seitdem bringt sie Bräuche von beiden Kulturen im täglichen Leben zusammen. Ein persönlicher Bericht über Tradition und Anpassung.



Ich bin 1952 als Einzelkind  in Westberlin geboren. Ich habe schon früh angefangen über die Welt in der ich lebte nachzudenken. Ich wusste, dass Deutschland eine dunkle Vergangenheit hat und ich fühlte mich schuldig. Ich hatte sehr lange Zeit ein Problem Deutsche zu sein.  Ich habe mich geschämt für das, was Nazideutschland vielen Menschen angetan hat. Dieses Schamgefühl habe ich erst sehr viel später verloren.

Ich weiß nicht,  ob  das der Grund dafür ist, dass ich anderen Kulturen und Menschen, die nicht in die Norm passen, gegenüber aufgeschlossener bin. Ich habe 1973  einen deutschen Mann geheiratet, der verstarb. Ich habe bis dahin ein normales deutsches Leben geführt. Mein Interesse an anderen Kulturen war jedoch schon vorhanden. Ich interessierte mich schon immer für Weltmusik und Menschen aus anderen Ländern.

1989  hatte ich hier  das große Glück einem arabischen Mann, mit einem großen Herzen,  zu begegnen, der mich seitdem in meinem Leben begleitet. Ich hatte zum ersten Mal  Kontakt zu orientalischen Menschen aus  verschiedenen Gesellschaftsschichten, die mir gegenüber sehr aufgeschlossen waren. Ich habe mich schnell in diese Gemeinschaft integriert, lernte mit Begeisterung arabisch zu kochen, hörte  mit eben dieser, arabische Musik. Es wurde gemeinsam getanzt, gelacht, gegessen. Jedoch konnte ich nicht an Gesprächen, die oft in Arabisch geführt, wurden, teilnehmen. Ich fühlte mich ausgegrenzt. Dies stieß auf wenig Verständnis. So habe ich mich in die Lage eines Menschen versetzt, der im Ausland lebt. Fazit war, dass ich genauso handeln würde und jede Gelegenheit nutzen würde, meine Muttersprache zu sprechen.

1994 entschloss ich mich spontan, dem ein Ende zu setzen und suchte mir einen Arabischlehrer. Dieser Lehrer war ein weiser junger Syrer. Ich lernte von nun an, ein Mal wöchentlich Hocharabisch. Ich war begeistert, denn er schaffte es nicht nur mir die Sprache beizubringen, sondern er erzählte mir auch sehr viel über die arabische Kultur, über die Mentalität (die mir doch manches Mal sehr fremd war) und über die Stellung der Frau im Islam und das arabische Leben. Im Gegenzug konnte ich ihm viel von meiner deutschen Mentalität und Kultur erzählen. Es waren spannende Momente. Wir diskutierten und philosophierten. Wir stellten fest, dass wir einen gemeinsamen Wunsch haben:“ Eine friedliche Welt in der unsere Kinder und Enkelkinder glücklich aufwachsen können.“ Dafür bedarf es Veränderungen in der Politik und in der Gesellschaft. Veraltete Traditionen an denen man festhält, verhindern Veränderungen.

All diese Dinge haben mich wiederum zum Nachdenken veranlasst. Ich fragte mich, warum lerne ich arabisch? Ich war niemals in einem arabischen Land! Warum identifiziere ich mich so sehr mit dieser Mentalität? Ich passe doch eigentlich mit meinen Ansichten, mit meiner Art zu leben, mit meinem äußeren Erscheinungsbild nicht in diese traditionelle arabische Welt. Nein,  ich passe nicht, aber ich habe gelernt die orientalische Mentalität und  Kultur zu lieben. Ich höre mit Begeisterung Fairuz, Um Kalthoum erfreue mich an orientalischen Speisen wie Humus, Linsensuppe  und Shakrie. Ich lese Bücher von Rafik Shami, Gedichte von Khalil Gibran (in deutscher Sprache).

Ich lebe nun seit vielen Jahren ein kleines bisschen arabisch in Deutschland. Das hat meine Sichtweise zu meinem Heimatland, dem demokratischen Deutschland verändert. Ich habe keine Schuldgefühle mehr, aber ich bin und bleibe wachsam! Ich kann inzwischen sagen, ich bin stolz und dankbar in diesem demokratischen Deutschland ohne Repressalien mit einem Ausländer leben zu können. Unsere Kinder sind erwachsen und haben Partner aus verschiedenen Kulturkreisen und es klappt wunderbar.

Hätte ich in diesem Leben einen Wunsch frei, wünschte ich mir mehr Toleranz zwischen den verschiedenen Kulturen und Religionen. Niemand hat das Recht dem anderen gegenüber  überheblich zu sein. Veränderungen sollten von Innen kommen und nicht mit Gewalt verbreitet werden. Ich stelle immer wieder fest, nur durch den Dialog und die Offenheit ist es möglich, Vorurteile abzubauen.

Hummus: eine orientalische Delikatesse

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