Kulturkampf in Israel: Toleranz hat ihre Grenzen / „A collective abandonment of authentic Jewish values seems to have overtaken the haredi community“ – Jerusalem Post / דת ומדינה בישראל: זר לא יבין זאת

Ma'ariv: die Schlagzeile lautet "Religion gegen Staat" / Makor Rishon, religiöse Zeitung: "Weltkrieg gegen das oberste Gericht" / Avital Alter: links die Präsidentin des obersten Gerichts, rechts ein Rabbiner, der ihre Autorität herausfordert; dazwischen der israelische Staat / Jeruaslem Post: Demo gegen das oberste Gericht; auf Transparenten steht "Hände weg von unserem Messias" / Eran Wolkowsky: religiöse Fanatiker gehen ins Gefängnis, wo sie weiterhin getrennt bleiben wollen; links orientalische, rechts europäische Juden / Or Reichert: die Mehrheit, hier die Kuh, will nicht mehr das separate Bildungssystem finanzieren, das die Autorität des Staates ablehnt



דניאל דגן - Außenstehende werden es kaum verstehen. Der jüdische Staat wird in aller Welt systematisch verteufelt und dämonisiert. Ziel der Hetzkampagne ist es, Israel zu delegitimieren und letztlich aufzulösen. Gleichzeitig aber kämpfen Juden gegen Juden im eigenen Staat, und zwar mit großer Vehemenz. Manche bezeichnen diesen (Kultur)kampf als einen regelrechten Krieg. Das Wort Weltkrieg ist bereits gefallen!



Bei diesem Streit geht es nicht um den arabisch-israelischen Konflikt. Es geht um die ideologische Ausrichtung der jüdischen Gesellschaft im jüdischen Staat. In einem Ort namens Immanuel haben einige Rabbiner entschieden, dass jüdische Mädchen aus orientalischen Familien in der Schule nicht bzw. nur eingeschränkt akzeptiert werden. Warum? Weil sie Nachkommen von jüdischen Flüchtlingen sind, die aus dem Orient kommen und andere Traditionen pflegen als die der europäischen Juden. Diese Haltung kann der israelische Staat nicht akzeptieren.

Knapp die Hälfte der in Israel lebenden Juden sind eben orientalischer Abstammung. Sie konnten zum Glück Unterdrückung und Verfolgung in arabischen bzw. muslimischen Ländern entkommen. Nun dürfen sie im eigenen jüdischen Staat nicht benachteiligt werden. Das hat im konkreten Fall das oberste Gericht Israels in aller Klarheit verfügt. Und sogar Haftstrafen für diejenigen angeordnet, die die Praxis der Benachteiligung durchsetzen wollen.

Doch der Streit hat auch noch einen anderen, gravierenden Aspekt. Es geht darum, wer letztlich das Sagen im Staat hat. Das gewählte Parlament, das Gesetze verabschiedet. Die Gerichte, die diese Gesetze auslegen und durchsetzen. Oder manche religiöse Führer, die die Autorität der Staatsorgane nicht hinnehmen wollen und im Namen Gottes in den Kampf ziehen.

Die Vielfalt der israelischen Gesellschaft ist enorm. Es ist gewiss sehr schwierig, alle Volksgruppen und alle religiösen und ideologischen Ausrichtungen unter ein Dach zu bringen. Viele Fehler wurden in der Vergangenheit gemacht. Der Staat hat großzügig Bildungseinrichtungen finanziert, in denen seine Autorität praktisch abgelehnt wird.

Eine Benachteiligung von orientalischen Juden - auch wenn sie mit Glauben begründet wird - verstößt nicht nur gegen die Autorität des Staates Israel. Sie ist vor allem ein Verstoß gegen jüdische Werte. Sie ist auf keinen Fall akzeptabel. Zwar muss Israel weiterhin sehr viel Toleranz demonstrieren - auch und gerade den eigenen Minderheiten gegenüber. Doch auch Toleranz hat ihre Grenzen. Im konkreten Fall von Immanuel wurden diese Grenzen weit überschritten.

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