Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier entschuldigt Heinrich Heine: ein Märchen zu Lüneburg… / גם בעיר לונבורג: היינריך היינה שלנו

Heinrich Heine Haus / Der Kanzlerkandidat / Brief Steinmeier an Daniel Dagan / Heinrich Heine (Courtesy portrait.kaar.at)



דניאל דגן - Nie zuvor wurde mir die undankbare Aufgabe zugetragen, meinem Lieblingsdichter Heinrich Heine zu widersprechen.



Doch heute will ich mich im Dienste der Leser dem Urteil widersetzen, das Heine über eine hübsche, lebhafte deutsche Stadt fällte: „Ich bin jetzt wieder in Lüneburg, in der Residenz der Langeweile. Bildung ist hier gar keine, ich glaube, auf dem Rathaus steht ein Kulturableiter..“

Welch ein Irrtum!

Als ich vor kurzem Lüneburg besuchte sprudelte es von Aktivitäten, Veranstaltungen und kulturellen Angeboten. Einige davon übrigens in dem schönen, bürgerlichen Haus, in dem 1822 bis 1828 die Eltern Heines wohnten. Heute trägt das Haus den Namen des großen Dichters und wird für Lesungen, Vorträge und Konzerte benutzt.

Was wohl zeigt, dass die Lüneburger nicht nachtragend sind - bestimmt eine gute Eigenschaft, die Heine ja selbst anerkannte, in dem er über sie großzügig schrieb: „Aber die Menschen (in Lüneburg) sind nicht so schlimm..“

Inspiration für große Werke wie „Dreiunddreißig Gedichte“ könnte Heine gleich schräg gegenüber bekommen haben - im prächtigen Rathaus. In der repräsentativen Ratsstube hängen seit 1578 Gemälde von Daniel Frese, die „das gerechte Regiment“ darstellen. Die farbige, beeindruckende Mahnung zum gerechten Handeln, gekoppelt mit Warnung vor ungerechten Entscheidungen, passt eigentlich gut zu Themen, die Heine in seinen Werken immer wieder aufgriff. Bei den zahlreichen biblischen und religiösen Motiven ist auch hebräische Schrift sichtbar, hier als Beispiel der Name des großen Dichters היינריך היינה . Hebräisch ist deshalb so bedeutsam, weil es die Sprache der Ahnen Heines ist. Und die konnte er als Jude (wenn auch nur bedingt) lesen und sprechen.

In meiner Vorstellung nahm ich nun Heine an die Hand und drängte ihn durch die Menge. Es waren nämlich sehr viele Einwohner und Besucher, die an dieser Lüneburger Musemumsnacht die vielfältigen Einrichtungen aufsuchten. Auch wir standen hier eine Zeit vor den Portalen, die ein komplexes, geschnitztes Figurenprogramm zeigen - neben theologischen und Kardinaltugenden auch die Patientia (Geduld).

Letzteres brauchten wir ganz besonders vor den Eingängen zur Gerichtslaube und Fürstensaal, wo Wissenschaftler in passenden, typisch mittelalterichen Kostümen weitere Schätze der Stadt erklärten. Jeder dieser Räume ist ein Museum für sich, das Macht und Selbstbewusstsein dokumentiert, aus einer Zeit, da Salzgewinnung der Stadt enormen Reichtum brachte. Doch auch heute – knapp 20 Jahre nach Schließung der letzten Saline - sind Stolz, Pracht und Überzeugung vom eigenen Wert noch eindrucksvoll lebendig.

Dem „Weißen Gold“ ist übrigens ein Museum gewidmet, das an ursrünglicher Stelle sehr anschaulich den Salzabbau dokumentiert. Doch Heine schleppe ich zunächst zum Brauereimuseum mit, wo ein älterer, ehemaliger Mitarbeiter mit großer Begeisterung von der Brauerei schwärmt – und natürlich vom „flüssigen Brot“, das hunderte Besucher im Innenhof des Komplexes bei Livemusik genüßlich verzehren.

Es ist spät geworden. Doch Tausende sitzen noch in Restaurants und Strassencafes und genießen den klaren Nachthimmel. Eine „Fressmeile“, die direkt vom Rathaus führt, kann sich auch für einen Berliner sehen lassen. Sichtbarer Beleg für die Statistik, wonach im europäischen Vergleich Lüneburg mehr Tavernne pro Einwohnerzahl hat als jede europäische Stadt ausser Madrid.

Glaubhaft machen dies vor allem viele junge Leute, die an diesem Abend das frühsommerliche Wetter schnuppern. Denn was die Saline tausend Jahre für Lüneburg war - die wichtigste Industrie - ist heute das Wissen geworden. Die Universität Lüneburg bildet an die 10 000 Studenten aus, die bei etwa 72 000 Einwohnern das Stadtbild sehr stark prägen.

In dieser späten Stunde wäre es wohl selbst für Heine zu hektisch geworden. Nachtruhe ist angesagt. Wir gehen zurück durch Strassen und Gassen, die das umfangreiche Museum-Programm perfekt ergänzen. Denn die ganze Innenstadt, die auch im Krieg nicht zerstört wurde, gleicht einem Frelichtmuseum. Büro-und Wohhäuser, Geschäfte, offentliche Einrichtungen oder prachtvolle Fassaden - hier zählt man auf kleinster Fläche 1400 guterhaltende Baudenkmäler.

Mit der Beschreibung Lüneburgs hat es Heine nicht ganz richtig getroffen. Dafür aber mit der Lorelei, die ebenfalls hier in Lüneburg entstand. Die angebliche „Langeweile“ ist also nichts anderes als ein Märchen aus alten Zeiten, das jedem Besucher schnell und sicher wieder aus dem Sinn geht.

Vizekanzler und Außenminister Frank Steinmeier, auch ein Fan von Heinrich Heine, entschuldigte die unfreundliche Haltung des großen deutsch-jüdischen Dichters zu Lüneburg und nahm ihn eindeutig in Schutz (Brief oben). Das ehrt Herrn Steinmeier und und verrät seine Wertschätzung für Heine, ohne dabei die Bürger von Lüneburg vor den Kopf zu stoßen.

Mehr Infos zu Heinrich Heine Haus in Lüneburg

Lüneburger Museumnacht: jedes Jahr wieder

Anmerkung Steinmeier und die SPD: Kanzlerkandidat Frank Steinmeier und seine gute Arbeit schätze ich sehr. Doch das Verhalten der Berliner SPD finde ich unwürdig und völlig unverständlich. Entschuldigung für Heinrich Heine - JA; doch bitte nicht für die ablehnende Haltung der Berliner SPD.

Berliner SPD lehnt Gespräche mit Bürgern ab

_________________________________

Please also follow us on Facebook , Twitter & Yahoo!

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

Anmelden