Die Lausanne Vereinbarung: Man sieht mehr und mehr durch die vielen Löcher…

Daily Talk: ALLES bleibt bestehen / Al Nahar, Libanon: Freunde Kerry und Zarif / Jaberstoon: Annährung Iran-USA / Shlomo Cohen: die Lausanne Vereinbarung



Es wird immer deutlicher: Die Vereinbarung von Lausanne zwischen dem Iran und den Großmächten war gar keine Vereinbarung. Es war lediglich eine Presseerklärung, bei der sich jede Seite etwas anders rauspicken und verwenden kann - vor allem für das Publikum zuhause. Die Iraner und die Amerikaner tun es seit Tagen besonders intensiv. Tehran, um zu betonen, dass es sich von den lästigen Sanktionen praktisch befreit hat, ohne sein Nuklearprogramm ernsthaft zu beeinträchtigen; die Amerikanische Administration um zu unterstreichen, dass der Iran angeblich dazu gezwungen sei, seine Nuklearambitionen stark einzuschränken und nur schrittweise die lästigen Sanktionen los wird.



Was uns als dramatischer Durchbruch und historischer Schritt verkauft wurde, war also eine überdimensionale Show für die Weltöffentlichkeit. Eine Show, die vor allem den Sinn hatte, dem US-Präsidenten Barack Obama zu helfen, die von ihm akribisch angestrebte "Aussöhnung" mit dem Regime der Ayatollahs zu erreichen. Hierzu muss Obama den Eindruck erwecken, dass seine Politik funktioniert, und der Iran tatsächlich nicht zur Atommacht aufsteigen wird. Nur so kann er die Skepsis der amerikanischen Abgeordneten überwinden, die parteiübergreifend härtere Sanktionen gegen den Iran durchsetzen wollen.

In Lausanne fand der orientalische Basar statt. Da waren die Iraner im klaren Vorteil. Sie wurden von nur einer Delegation vertreten, die sehr klare Ziele hatte und nur mit einer Stimme sprach. Gegenüber saßen Vertreter mehrerer Delegationen, die ganz unterschiedliche Vorstellungen hatten. Dabei fielen die Amerikaner durch ihren erstaunlichen, naiv-wirkenden Übereifer auf, unbedingt eine schnelle Vereinbarung zu erzielen. Koste es was es koste. Denn in Washington musste etwas Positives präsentiert werden, damit Präsident Obama sein angestrebtes Projekt - Rückkehr des Iran in die Völkerfamilie - doch noch retten kann.

Als einer, der aus dem Orient kommt, kann ich über die amerikanische Taktik nur kopfschüttelnd reagieren. Im orientalischen Basar darf man nie zu viel Begeisterung zeigen! Wenn man es tut, schnellt der Preis in null komma nichts in die Höhe. Wenn man diesen Fehler mehrfach wiederholt, hat die Gegenseite gewonnen, noch bevor das eigentliche Geben-und-Nehmen beginnt. Genau das hat sich in Lausanne zugetragen. Die Iraner waren die Seite, die stark umworben wurde. Sie waren in der starken Position, und haben es spüren lassen. Nur sie waren in der Lage, Obama das zu geben, was er unbedingt wollte - Erfolg, oder eher gesagt den Anschein von Erfolg.

Doch inzwischen sind wir wieder weit weg vom Lausanner Basar. Wir befinden uns in den westlichen Hauptstädten, in denen eine gewisse Ehrlichkeit und sehr viel Transparenz herrscht. Hier sind die Spielregeln ganz anders. Hier muss man Farbe bekennen und Argumente mit harten Fakten untermauern. Als Obama aufgerufen wurde, dies zu tun, musste er bedauerlicherweise zugeben, was die unglückliche Lausanne Vereinbarung praktisch bedeutet.

Beispiel I: Der Präsident beteuert, Iran wird nicht Nuklearmacht während meiner Amtszeit ("on my watch"). Was allerdings impliziert, dass der Iran bald darauf doch an die Atombombe kommen könnte...

Beispiel II: Die USA und ihre Verbündeten sind nicht in der Lage, das iranische Nuklearprogramm für militärische Zwecke vollständig abzuschaffen (warum eigentlich nicht, Herr Präsident)? Also begnügen wir uns damit, dieses gefährliche Programm lediglich zu überwachen, damit wir wenigstens informiert sein werden, wenn die Bombe kommt...

Beispiel III: Die Breakout Time (der Zeitraum, den der Iran braucht, um Atomwaffen zu produzieren) wäre unter der "Vereinbarung" zunächst ein Jahr. Doch in zehn Jahren, so Obama, reduziert sich diese Zeit praktisch auf null...

Im Klartext: Die Lausanne Vereinbarung - auch nach amerikanischer Lesart (von iranischer Lesart ganz zu schweigen) - akzeptiert schon heute den Iran als eine Nation an der Schwelle zur Atommacht; und in nur zehn Jahren ebnet sie dem Iran den freien, Königsweg zur Produktion einer eigenen Atombombe. Das alles mit der Legitimation der Großmächte und der Weltgemeinschaft! Eine verheerende Entwicklung, die nicht nur die Region sondern die ganze Welt gefährdet. Es bleibt nun zu hoffen, dass Obama und seine Berater ihren schweren Fehler schnellstens korrigieren. Der amerikanische Congress wird ihnen beim notwendigen Umdenken bestimmt zur Seite stehen.

Lesen Sie bitte hier weiter:

Der sunnitisch-schiitisch atomare Wettlauf gewinnt an Fahrt

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