Der Iran zementiert seine Vormachtstellung im Irak; der sunnitisch-schiitische Krieg wird nach Yemen verlagert

Yemen Times: schiitische Houthis sammeln Spenden für Eroberung / Al Mokhstar: ...die die sunnitischen Länder nun bekämpfen / Debka File: ...wobei Saudi Arabien & Ägypten die Hauptlast tragen / Al Wahdawi: Jets werden eingesetzt / Tasnim News, Tehran: Trotz Verhandlungen - Iran beschimpft wie eh und je die USA



Der sunnitisch-schiitische Krieg im Yemen ist eine direkte Fortsetzung der großen Veränderungen im Irak, wo die schiitische Glaubensgemeinschaft das Land weitgehend kontrolliert. Das geschieht zunehmend mit offener Intervention durch iranische Militärberater und "Experten", die praktisch die irakische Armee führen. Aus westlicher Sicht hat der Iran eine wichtige Mission im Irak - nämlich die Bekämpfung der sunnitischen Extremisten, die in weiten Teilen des Landes das Kalifat ISIS ausgerufen haben. Dabei wird allerdings ausser Acht gelassen, dass die Duldung der iranischen Vormachtstellung im Irak weitere Konsequenzen hat, die einen regelrechten Religionskrieg entfachten lässt.



Genau das geschieht jetzt im Yemen. Mit kräftiger Unterstützung des Iran haben die schiitischen Houthi Milizen die Machtverhältnisse in Sana'a völlig verändert. Nun kontrollieren sie nicht nur weite Teile des Landes, sondern auch mehrere Bezirke der Hauptstadt sowie Regierungszentralen. Schiitische Milizen, die direkt oder indirekt vom Iran unterstützt werden, kämpfen ohnehin seit vielen Jahren in Saudi Arabien gegen die wahabitische Monarchie, die sich als Hüter der Heiligen Stätten versteht und den sunnitischen Machtanspruch im Islam verkörpert.

Diese kurze Schilderung reicht eigentlich aus, um die explosive Situation zu verstehen, die das Geschehen im Nahen- und Mittleren Osten bestimmt. Die 1400 Jahre bittere Rivalität zwischen Sunniten und Schiiten ist wieder voll entfacht und mündet in brutalen Waffengängen - in Syrien, im Irak, im Yemen und in anderen Ländern und Regionen. Dabei demonstriert der Iran immer mehr Selbstsicherheit und wagt es, die sunnitischen Verbände und Mächte durch subversive Aktivitäten sowie durch direkte Beteiligung an Kampfhandlungen zu provozieren.

Die arabisch-sunnitische Reaktion war vorauszusehen. Saudi Arabien kann es nicht dulden, dass der Yemen in eine Militärbasis des Iran verwandelt wird. Das würde aus saudischer Sicht die heiligsten Stätten des Islam direkt bedrohen und die dominante Stellung der Sunniten gefährden, die bei weitem die große Mehrheit der Muslime weltweit ausmachen. Ägypten - das bevölkerungsreichste arabische Land - kann eine Kontrolle von Bab-el-Mandeb durch den Iran keineswegs akzeptieren. Darum haben ägyptische Verbände in den letzten Tagen Stellungen entlang der yemenitischen Küste am Roten Meer besetzt.

Diese Entwicklungen sind natürlich vor dem Hintergrund der angestrebten Aussöhnung zwischen den USA und Iran zu sehen, die für Präsident Barack Obama eine höchste Priorität zu sein scheint. Aus der Sicht der arabisch-sunnitischen Staaten ist diese Entwicklung allerdings sehr riskant. Vergeblich warnen sie die USA und den Westen davor, den Iran doch noch als eine Nuklearmacht zu akzeptieren - wenn auch lediglich "an der Schwelle" zur Bombe. Nun agieren Saudi Arabien und Ägypten auch direkt, militärisch, um den Aufstieg des Iran als die dominierende Kraft in der Region zu bremsen. Spannungen mit den USA und mit dem Westen sind dabei vorprogrammiert.

Lesen Sie bitte hier weiter:

Tour d’horizon Arabien: Schatten soweit das Auge reicht / Yemen president Saleh quits; civil war looms

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