Japan nach der Geiselnahme: Der Schock sitzt tief – doch was ist die Konsequenz?

Roger Dahl in Japan Times: Japan muss sich festlegen / ISIS Video: Geiseln getötet /  Japan Today: Trauer und Zorn in Tokyo / Joe Heller in Denver Post: wofür eigentlich bekam Obama den Nobelpreis? / Ronny Gordon: so reagiert der US-Präsident auf den islamistischen Terror



Schauen Sie sich bitte die erste Zeichnung in der heutigen Galerie an. Der Karikaturist Roger Dahl - der in Tokyo arbeitet - hat in diesem einzigen Bild gleich mehrere äusserst problematische Themen benannt, mit denen sich Japan nun intensiv beschäftigen muss. Alles mündet letztlich in die Kernfrage, ob und wie eine moderne Gesellschaft sich aufstellt und Terrorimus entschieden bekämpft. Dazu gehören eine scharfe, zutreffende Analyse und sehr viel Durchhaltevermögen. Im Falle von Japan ist es besonders schwierig Mut zu zeigen und zu den richtigen Konsequenzen zu kommen.



Japan liegt weit weg von der Region, in der der islamistische Terror seinen Nährboden hat. Die Versuchung ist sehr groß, sich abzukapseln und das Thema möglichst zu ignorieren. Das war auch lange Zeit die eigentliche Praxis bei den Machthabern in Tokyo. Die vorherrschende Tendenz lautete: Warum sich einmischen? Warum Partei nehmen? Warum die Islamisten unnötig ärgern und dadurch Zielscheibe des Terrors werden, dessen Ursprünge vor allem mit Rivalitäten und Fehden innerhalb der muslimischen Welt zu erklären sind?

Doch Japan ist ein Global-Player, dessen Bedeutung immer weiter steigt. Die Wirtschaftsmacht Japan muss sich zunehmend auch politisch einmischen. Im asiatischen Raum ist es schon seit einigen Jahren Realität geworden. Dort fühlt sich Japan von Nordkorea bedroht, das sich "vor seiner Nase" als Atommacht etabliert (und dabei mit dem Iran nachweislich zusammenarbeitet, der ja ähnliche Ambitionen hat). Tokyo ist auch in Streitereien mit China verwickelt, die potenziell zu einem Waffengang führen können.

Der Nahe- und Mittlere Osten ist für Japan als Energiequelle sehr bedeutend - zumal das Vertrauen in die Nutzung der Atomkraft für zivile Zwecke stark erschüttert wurde. Japan muss also weiterhin gute Kontakte zu Ländern pflegen, die sehr große Vorkommen an Erdöl und Erdgas haben. Gleichzeitig baut Japan sein wirtschaftliches Engagement in der Start-up Nation Israel aus, die viele technologische Errungenschaften vorweist. Vor wenigen Tagen war der japanische Ministerpräsident in Jerusalem, um eben diese Zusammenarbeit zu vertiefen. Das ist ein wichtiges Zukunftssignal.

Die Geiselnahme japanischer Bürger durch ISIS hat das Land schockiert und es vielleicht auch verändert. Durch die ganze Krise hinweg hat die japanische Regierung Entschlossenheit gezeigt. Diese couragierte Haltung wurde durch das tragische Ende eher noch verstärkt. Im Gegensatz zu einigen anderen Ländern war Japan nicht bereit, Lösegeld zu zahlen, um seine Bürger frei zu bekommen. Japan hat eher unterstrichen, dass es weiterhin die Koalition gegen die Terroristen des neuen Kalifats zu stärken gedenkt. Japan kommt nicht umhin, seine traditionelle Zurückhaltung auf der internationalen Bühne zu überdenken. Aus einem traurigen Anlass wird nun ein neuer, wohl richtiger Weg bestritten.

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