Die Lehren aus den Anschlägen: Mit einer Demo in Paris ist es noch lange nicht getan

Shlomo Cohen: Weckruf / Ronny Gordon: Political Correctness lähmt / ...und zwingt Präsident Hollande, nun in den Kampf zu ziehen / Auch die Hamburger MOPO wurde Ziel der Islamisten



Die große Demonstration, die heute in Paris stattgefunden hat, stellt ein eindrucksvolles Signal gegen Terrorismus dar. Sie vereinte viele Menschen von unterschiedlichen politischen Überzeugungen und Konfessionen; sie symbolisiert die Gemeinsamkeiten der Demokraten und der freiheitsliebenden Bürger; sie erweckt ein Gefühl der Solidarität mit den Opfern; schließlich hat sie das Potential, das Bewusstein zu stärken, dass eine Wende im Kampf gegen die islamistisch-motivierte Gewaltanwendung notwendig und möglich ist.



Doch mit einer Demonstration allein ist es nicht getan. Mehrere Schritte sind unbedingt erforderlich, um der akuten Gefahr für die Pressefreiheit, für Minderheiten sowie für die westliche Kultur im allgmeinen wirksam zu begegnen.

Erstens: Eine mutige, nüchterne Analyse der fehlerhafen Haltung, die unseren Alltag weitgehend bestimmt. Ehrlich gesagt ist die aktuelle Welle der Sympathie mit dem französischen Magazin Charlie Hebdo ziemlich verlogen. Nicht nur in Frankreich sondern auch in anderen westlichen Ländern haben Regierungen und Staatsorgane dringend empfohlen, vom Druck der umstrittenen Karikaturen unbedingt abzusehen. Es herrschte und es herrscht immer noch Angst - allen schönen Reden und Worten zum Trotz. Lesen Sie hierzu diese kurze Analyse, die in der National Post (Canada) erschien. Zurecht lautet der Titel des Beitrags von Rex Murphy - We are NOT Charlie Hebdo.

Zweitens: Die politische Führung muss sich besser über die Entwicklungen im radikalen Islam informieren und der Bevölkerung in klaren Worten erläutern, wie es tatsächlich mit der Gefahr steht. Leere Formulierung wie "diese Gewalt hat mit dem Islam nichts zu tun" sind unehrlich und bringen uns keineswegs weiter. Um die moderaten Muslime wirklich zu unterstützen, muss man unbedingt über die Situation reden, die die vernünftigen Kräfte im heutigen Islam mit sehr großer Mühe zu verändern versuchen. Lesen Sie hierzu diesen lehrreichen Beitrag von Ayaan Hirsi Ali.

Drittens: Nachrichtendienste, Ermittler, Staatsschutzorgane sowie die Justiz merken natürlich, dass viele Politiker lediglich eine bequeme Haltung vertreten und in unseriöse Floskeln über die gemeinsamen Werte der Religionen flüchten, statt sich ernsthaft mit den Problemen zu befassen. Realismus, Integrität und Zuverlässigkeit bei der Staatspitze kann Wunder auch auf der Fachebene bewirken. Die harte Aufgabe der Überwachung der Terrorzellen wird erst erfolgreich sein, wenn die ideologischen Auseinandersetzungen mit dem radikalen Islam nicht mehr Tabu wären.

Viertens: Es muss geprüft werden, wer und wie junge Muslime in ihren Gemeinden im Westen radikalisiert. Die Gehirnwäsche findet ja nicht nur in Syrien und im Irak statt. Sie ist leider der Inhalt vieler Predigten, die in mehreren Moscheen in oder am Rande der Großstädte gehalten werden. Dieser Praxis muss Einhalt geboten werden, ohne die Religionsfreiheit zu beeinträchtigen. Zur Zeit verfolgt die Justiz vielfach Delikte dieser Art nicht, weil ihr ganz klar die politische Rückdeckung fehlt.

Fünftens: Die französischen Eliteinheiten haben bei der Befreiung der Geislen vorsichtig und hochprofessionel gehandelt. Doch es gab eine lange Reihe von Pannen, die die Gräueltaten der Islamistischen Terroristen erst möglich gemacht haben. Informationen über die gefährlichen Täter waren schon längst vorhanden - doch sie wurden entweder nicht weitergeleitet oder nicht richtig ausgewertet. Die Ermittler haben wohl das Unbehagen der Politik gespürt, sich mit der heißen Kartoffel Extremismus im Islam zu befassen. So wurde an entscheidenden Stellen zögerlich gehandelt und nicht die richtigen Massnahmen zur Vereitelung der Attentate ergriffen. Diese Unterlassung darf sich nicht wiederholen.

Lesen Sie bitte hier weiter:

Ernüchterung in Frankreich: Kampf gegen den militanten Islam darf nicht der Rechten überlassen werden

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