Ferguson, Missouri: die Vergangenheit der Rassendiskriminierung holt die USA ein

St. Louis Post Dispatch, Missouri: Agenda Ferguson überfällig / "Bitte nicht schießen" / Entscheidung der Geschworenen muss respektiert werden / gute Erziehung sichert gute Zukunft für alle



Die dramatische Eskalation der Gewalt in Ferguson (Bundestaat Missouri, USA), demonstriert ein tiefes Misstrauen zwischen Teilen der Bevölkerung und den Regierenden, die für Ruhe und Ordnung sorgen müssen. Die schweren Unruhen - die sich inzwischen auf mehrere Großstädte im ganzen Land ausgebreitet haben - zeigen darüber hinaus, dass sich viele schwarze Amerikaner immer noch benachteiligt und diskriminiert fühlen. Zudem entlarven die Ereignisse die Unfähgkeit der gutgesinnten Menschen und Institutionen, die aufgehetzte Menge zur Mäßigung zu bewegen.



Diese explosive Mischung entstand, obwohl sich die Führung der USA seit einigen Monaten mit der Situation in der Stadt Ferguson intensiv beschäftigt hat, und zwar auf gleich mehreren Ebenen: in der betroffenen Gemeinde selbst; in verschiedenen politischen Gremien im Bundesstaat Missouri; im Abgeordneten Haus und im Senat in Washington; und schließlich im Weißen Haus, wo sich Präsident Barack Obama höchst persönlich für eine Beruhigung der Lage engagierte.

Erinnern wir und kurz: in August 2014 gab es Domonstrationen in Ferguson. Hintergrund waren soziale Probleme und gesellschaftliche Forderungen, die teilweise gewaltsam ausgetragen wurden. Bei diesen Demonstrationen hat ein weißer Polizist, Derren Wilson, einen schwarzen Jugendlichen, Michael Brown, erschossen. Der Vorfall wurde gründlich untersucht und die Ergebnisse vor einer Jury von Geschworenen analysiert, in der sowohl Weiße als auch Schwarze mitgewirkt haben. Die Jury hat beschlossen, dass der Polizist nicht angeklagt wird, da er sich zurecht gefährdet fühlte und in Notwehr gehandelt hat.

Viele Amerikaner akzeptieren diesen Beschluß nicht und sehen darin ein eklatantes Unrecht, das ihres Erachtens Rassendiskriminierung zum Ausdruck bringt. Hundert tausende gingen in verschiedenen Orten auf die Straße, um dieser Auffassung Nachdruck zu verleihen. Manche taten es sehr gewaltsam und verursachten Schäden in Millionenhöhe. Besonders in Ferguson sind die Zerstörungen sehr erheblich. Viele Menschen wollen die Stadt verlassen. Geschäfte wurden reihenweise geschlossen und ihre Inhaber haben endgültig aufgegeben. Der Glaube an Versöhnung und Wiederaufbau wurde schwer erschüttert.

Merkwürdigerweise geschieht all das in einem Land, das über sechs Jahre von einem schwarzen Präsidenten regiert wird. Es passiert in einer Gesellschaft, in der viele Nachkommen von ehemaligen Sklaven große Erfolge feiern können und es zu Ruhm und Reichtum gebracht haben. Diese erfolgreichen Leute - Obama natürlich inbegriffen - haben den amerikanischen Traum für sich reklamiert und ihn persönlich erfüllen können.

Doch gerade jetzt wird klar, wie problematisch die Stellung von vielen Scharzen ist, die nach dem eigenen Empfinden der Brutalität der Sicherheitskräfte ausgesetzt sind und ihre Träume keineswegs verwirklichen können. An dieser Stelle muss die USA noch sehr viele Reparaturarbeit  leisten - und zwar dringend. Bevor die nächste Explosion kommt.

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