Luftschläge produzieren Selbsttäuschung; Kalifat ISIS breitet sich aus

Newsweek: ISIS-Finanzen entlarvt / News Australia: das sunnitische Kalifat / ...auf dem Siegeszug / Jihad Watch: das Kalifat lebt / Al Arabiya: dieser Prediger erreicht Millionen / Hassan Bleibel in Daily Star, Libanon: ...während der Westen orientierungslos bleibt



Die gemeldeten Erfolge im Kampf gegen das sunnitische Kalifat ISIS sind mit Vorsicht zu genießen. Während die USA und einige NATO Länder den neuen Staat mit Luftschlägen im Irak und in Syrien zu schwächen versuchen, verbreitet sich die Botschaft der Islamisten auch in anderen Teilen des Orient. ISIS hat bereits viele Anhänger in Lybien, im Sinai, in Gaza, im Yemen und sicherlich auch auf der arabischen Halbinsel, wo sich die heiligen Stätten des Islam befinden.



Insofern lässt sich festellen: Die Erfolgsmeldungen, die etwa in Washington, in London und in Paris propagiert werden, basieren auf einer optischen Selbsttäuschung, die folgende Ursachen hat.

Erstens: Das Militär, das die Zerstörung von ISIS-Anlagen und ISIS-Konvois meldet, redet lediglich aus der Vogelperspektive. Es analysiert Luftaufnahmen, die aus großer Höhe über dem Operationsgebiet von Piloten gemacht werden. Das allein ist noch keine vertrauenswürdige Information. Am Boden befndet sich niemand, der hautnah das Geschehen verfolgt und zuverlässig berichtet.

Zweitens: Die vielen Toten unter den Zivilisten werden kaum wahrgenommen bzw. werden sie verdrängt. Das gleiche gilt für die Zerstörung von Schulen, Wohnhäusern, Gerichtsgebäuden und dergleichen. Dabei ist es äusserst schwierig, zwischen Militär- und Zivileinrichtungen im von ISIS kontrollierten Territorium zu unterscheiden.

Drittens: Am Boden wird ISIS nur von Kräften bekämpft, die ein eigenes, spezifisches Interesse haben, das sich nicht mit den Zielen des Westens deckt. Das sind irakische, schiitisch-dominierte Streitkräfte, die vor allem innermuslimische Fehden im Blick haben; die Streitmacht der Kurden; und das syrische Regime von Bashar Assad, den der Westen zu stürzen versucht.

Viertens: Nach wie vor fehlt ein echtes, überzeugendes, arabisch-sunnitisches Engagement gegen ISIS. Dieses gibt es - wenn überhaupt - lediglich verbal. Keine Armee der sunnitischen Golfstaaten (angeblich treue Verbündete des Westens, die mit modernsten Waffen ausgerüstet sind) bekämpft zur Zeit ISIS.

Fünftens: Aus den besagten Golfmonarchien fließen weiterhin viele Gelder an ISIS - direkt oder indirekt. Über den eigenen Sender Al Jazeera hetzt der Emir von Katar täglich gegen Juden und andere "Ungläubigen" und solidarisiert sich praktisch mit ISIS. Auf Englisch vollzieht sich das sehr subtil; auf Arabisch ohne die Maske der angeblich "freien Berichterstattung".

Das Fazit lautet: ISIS kann erst beseitigt werden, wenn wirklich arabische, sunnitische Muslime die Islamisten als Gefahr für sich wahrnehmen und die Kampfhandlungen an sich reißen. Das ist aber noch lange nicht der Fall - schon gar nicht, was das Geschehen auf dem Terrain angeht.

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