Wie steht die Türkei zu ISIS? Die Antwort kam von IHH-Aktivist Yakup Bülent Alniaky

Zaman: islamistische AKP träumt selbst von neuer Ordnung / Cetinkaya: Flüchtlinge kommen in die Türkei / DHA: dieser IHH-Terorrist wurde durch die USA getötet / Milliyet: vom Engagement für Hamas zur ISIS



Die im Westen hochgepriesene Zusammenarbeit mit muslimischen Staaten im Kampf gegen das sunnitische Kalifat ISIS reflektiert weitgehend den politischen Wunsch, die militärischen Schläge nicht als eine Einmischung von Aussen erscheinen zu lassen. In der Tat werden die entscheidenden Luftschläge von den USA und ihren westlichen Alliierten druchgeführt. Die arabische bzw. muslimische Beteiligung ist marginal und geschieht bisher nur halbherzig. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Rolle der Türkei - ein Nato-Partner, der sich eigentlich loyal verhalten sollte; doch unter der langjährigen Herrschaft von Recep Erdogan tendiert die Türkei zum extremistischen Islamismus und will selbst eine Art modernes Kalifat führen. Dieser Widerspruch ist mit schönen Worten nicht aufzuheben.



Mag sein, dass die Türkei dem Druck ihrer Partner nachgibt und sich symbolisch an einigen Operationen gegen ISIS beteiligt. Doch dies kann nicht über die Grundorientierung dieses Landes unter der jetzigen Führung hinwegtäuschen. Ohne Duldung bzw. aktive Mitwirkung der Türkei hätte ISIS kaum entstehen und schon gar nicht ihre spektakulären Erfolge feiern können.

  • Die Türkei dient ISIS als Operationsbasis. Über die langen, gemeinsamen Grenzen mit Syrien und dem Irak kamen (und kommen weiterhin) die Jihadisten des neuen, islamistischen Staates. Auf diesem Wege werden auch viele Waffen transportiert - manchmal ganz offen, manchmal in Form von Schmuggelware. Hauptsache sie kommen an.
  • Die Türkei kauft bei ISIS große Mengen an Erdöl und viele andere Produkte, die dem sunnitischen Kalifat als wichtige Einnahmequellen dienen. Die Transaktionen werden mehr oder weniger offen betrieben - und das mit direkter Unterstützung (oder gar Beteiligung) der Regierung in Ankara.
  • Die Türkei lässt zu, dass viele tausende ausländische Kämpfer die Truppe von ISIS ständig verstärken. Diese fanatisierten Islamisten kommen aus dem Kaukasus, aus Europa, aus den USA - und nicht zuletzt aus der Türkei selbst.
  • Die Türkei unter Recep Erdogan entwickelte in den letzten Jahren eine klare ideologische Nähe zu ISIS. Die Türkei unterstützt aktiv die Muslim Brotherhood - eine extremistische, islamistische Bewegung, die Gewalt hochjubelt und oft auch selbst anwendet. Gemeinsam mit Katar und mit der Muslim Brotherhood versucht die Türkei, das jetzige Regime in Ägypten zu stürzen.
  • Die Türkei unterstützt aktiv die terroristischen Organisationen Hamas in Gaza (ein Ableger der Muslim Brotherhood) sowie die IHH (eine in Deutschland verbotene Gruppe). IHH hat ihre Basis in Istanbul und operiert ganz offen in mehreren anderen Städten. Sie bekommt materielle, logistische und finanzielle Unterstützung von Ankara..

Letzteres wird am persönlichen Beispiel des IHH-Aktivisten Yakup Bülent Alniaky deutlich. Dieser türkische Bürger war 2010 einer der selbsternannten "Friedensaktivisten", die an Bord des Schiffs Mavi-Marmara von der Türkei nach Gaza reisten. Ziel war es, den Seeweg nach Gaza zu öffnen, damit Waffen vom Iran und aus anderen Quellen ungehindert an Hamas geliefert werden können. Das Schiff wurde damals von der israelischen Marine gestoppt.

Nun melden türkische Zeitungen (siehe Galerie oben), dass Alniaky schon vor Jahren zur ISIS Truppe gestoßen ist und in Syrien und im Irak für das sunnitische Kalifat gekämpft hat. Vor wenigen Tagen wurde der IHH bzw. ISIS Terrorist vom amerikanischen Bombardement tödlich getroffen. Die IHH-ISIS-Hamas Connection ist durch dieses persönliche Schicksal sehr klar bloßgelegt.

Die Türkei hat übrigens auch andere, aus ihrer Sicht gute Gründe, den Kampf gegen ISIS nur minimal (wenn überhaupt) zu unterstützen. Ankara fürchtet, dass durch die Schwächung von ISIS die Kurden viel stärker werden - sowohl im Irak als auch in Syrien als auch in der Türkei selbst. Der Ruf nach einem kurdischem Staat wird immer lauter und die mögliche Verwirklichung dieses Projekts rückt näher. Das wird als Verletzung der territorialev Integrität der Türkei verstanden und darf laut Ankara keineswegs akzeptiert werden.

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