Schiitische Milizen übernehmen Sanaa, während der Westen das sunnitische Kalifat ISIS bekämpft

Saba Net: 52 Jahre Revolution / Al Gomhoriah: ...im Zeichen von Religionskrieg / The World Post: ...der das Land seit Jahren erschüttert / Al Thawra: das Durcheinander macht die Regierung ratlos / Yemen Economist: ...und schadet der Wirtschaft / Yemen Times: Revolutionsnostalgie kein Trost



Heute feiert der Yemen seinen Nationalfeiertag. Vor 52 Jahren begann die Revolution, die nach acht Jahren heftiger Kämpfe die Monarchie im Lande beseitigte und die Herrschaft durch einen Imam bzw. König beendet hat. Eine Republik wurde ausgerufen, mit der viele aufgeklärte Menschen neue Hoffnungen für ihr Land verbinden konnten. Doch dem Yemen ist heute nicht nach Feiern zumute. Das Land ist tief gespalten. Schiitische Milizen der Houthis Rebellen patrouillieren in der Hauptstadt Sanaa und kontrollieren ganze Bezirke sowie Regierungsgebäude. Der Bürgerkrieg ist überall zu spüren. Ausgerechnet heute evakuieren die Amerikaner die meisten Mitarbeiter ihrer Botschaft aus Sanaa. Viele Staaten warnen ihre Bürger vor Reisen in den Yemen.



Über die dramatischen Ereignisse der letzten Tage in Sanaa wurde im Westen kaum berichtet. Die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit gilt vor allem der Situation in Syrien und im Irak, wo hunderttausende von Toten durch bewaffnete, innerarabische Konflikte zu beklagen sind. Mehrere NATO Partner fühlen sich gefährdet und führen einen Luftkrieg gegen sunnitische Extremisten, die durch ihre zur Schau gestellte Brutalität die westlichen Gesellschaften alarmieren. Doch die Lage im Yemen ist genauso heikel und höchst gefährlich. Durch den anhaltenden Bürgerkrieg der letzten Jahre haben ebenfalls viele Tausende ihr Leben verloren. In verschiedenen Teilen des Landes operieren Al Kaida Anhänger, die immer wieder durch unbemannte Flugkörper angegriffen werden. Vor wenigen Stunden wurden auf diesem Weg vier bewaffnete Islamisten Opfer einer gezielten Tötung aus der Luft.

Yemen ist ein Spiegelbild dessen, was in weiten Teilen der arabischen Welt stattfindet. Die Revolution vor 52 Jahren sowie einige weitere revolutionäre Ereignisse konnten keine Beilegung der inneren Konflikte bewirken. Das trifft auch auf die allerletzten Umwälzungen im Yemen und im ganzen arabischen Raum zu, die im Westen irrtümlicherweise als "arabischer Frühling" etikettiert wurden. Aus dem erhofften Frühling wurde praktisch nichts. Werte wie Weltoffenheit, Transparenz, Liberalismus, Toleranz, Demokratie und dergleichen wurden völlig verdrängt. Die Fragementierung in den arabischen Gesellschaften nahm erheblich zu. Religiöse Unterschiede, ethnische Rivalitäten und Stammesfehden beherrschen die Realität. Nach der Vertreibung der Juden aus weiten Teilen des Orients erfolgt nun praktisch eine schleichende Vertreibung der Christen, wie Papst Francis neulich feststellte.

Die aktuelle Entwicklung im Yemen verdient insofern eine besondere Aufmerksamkeit, weil militärische Erfolge der schiitischen Streitkräfte nicht isoliert zu sehen sind. Hinter den Houthis steht eindeutig der islamistische Gottesstaat Iran, der die religiöse und politische Führung der schiitischen Welt verkörpert. Der Iran unterstützt schiitische Rebellen nicht nur im Yemen sondern auch in mehreren anderen Regionen auf der riesigen arabischen Halbinsel und darüber hinaus. Die spektakulären Erfolge der Houthis in Sanaa bergen das Potential, den bewaffneten Kampf um die Führung der muslimischen Welt erheblich zu verschärfen. Vor diesem Hintergrund sehen die sunnitischen Muslime mit Argwohn, wie der Iran seinem Ziel näherkommt, einen Status als Land "an der Schwelle zur Nuklearmacht" zu erreichen - und dies vom Westen absegnen zu lassen.

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