Beratung der Führung von ISIS: unsere Taktik funktioniert!

Peter Schrank in Economist: wo sind die Guten? / Nate Beeler in Columbus Dispatch: Obama kämpft endlich / ...nachdem ISIS so provozierte / Kianoush: 3. Weltkrieg?



Neulich gab es eine wichtige Beratung der Führung von ISIS - das islamische, sunnitische Kalifat, das sich in weiten Teilen von Syrien und dem Irak etabliert hat. Der mächtige Chef Abu Bakr al-Bagdadi wollte erfahren (1) wie die militärische Lage sei und (2) wie die Rekrutierung von neuen Jihadisten abläuft. Seine Kommandeure haben die Situation sehr schmeichelhaft beschrieben, und zwar gleich in beiden Punkten. Zu den Kampfhandlungen konnten sie berichten, dass der Luftkrieg gegen die ISIS-Verbände seine Wirkung weitgehend verfehlt. Diese tauchen in der Bevölkerung unter oder treten als Zivilisten auf. Waffenlager und Abschußrampen werden in Privathäusern oder in Einrichtungen wie Krankenhäuser und Schulen aufgestellt. Das allein schon macht die ISIS weitgehend gegen Attacken immun.



Zum Nachschub von kampfbereiten Freiwilligen berichteten die Kommandeure, dass sich immer mehr junge Menschen registrieren lassen. Das führten sie darauf zurück, dass ISIS nun vom Westen als vielleicht die größte Gefahr für den Weltfrieden eingestuft wird - mit allen öffentlichen und publizistischen Folgen, die damit einhergehen. Der islamische Staat, der erst in den letzten zwei oder drei Jahren entstand, ist nun in aller Munde. Gegen ihn wird eine hochkarätige Koalition aufgestellt, die von den USA initiiert wurde. Auch wenn manche Araber halbherzig mitmachen, wird diese Koalition letztendlich als eine christliche-geprägte, westliche Streitmacht angesehen, die nun tief im muslimisch-geprägten Orient interveniert.

Die Berater von Abu Bakr al-Bagdade waren sich sofort einig. Für die gegenwärtige Propagandaschlacht gibt es nichts Besseres als das, was nun in Paris stattfindet. Mit Ach und Krach versucht der französische Präsident, die neue Allianz mit Arabern und Muslimen sozusagen zu ergänzen (oder anders gesagt zu dekorieren). Doch bisher gibt es kaum oder sehr wenig konkrete Verpflichtungen. Die militärische Führung und auch die tatsächlichen Luftangriffe werden von westlichen Alliierten geführt. Das ist besonders auffallend vor dem Hintergrund, dass benachbarte arabische Staaten über moderne Luftwaffen verfügen. Vom muslimischen Nato-Partner Türkei ganz zu schweigen.

Fazit der Beratung beim ISIS-Chef war sehr klar. Die entsetzliche Taktik der letzten Wochen zeigt eine klare, aus islamistischer Sicht sehr gute Wirkung. Der Westen fühlt sich gezwungen, sich trotz großer Bedenken zu mobilisieren. Die Serie der brutalen Enthauptungen haben das bewirkt, was vor 13 Jahren die schrecklichen Terrorangriffe des 11. September ausgelöst haben. Der Druck auf die Politiker wächst, gegen die jihadistische Gefahr hart und entschlossen vorzugehen. Dabei begibt sich aber der Wesen in eine komplizierte, sunnitisch-schiitische Schlacht, die schon seit über 1000 Jahren ausgetragen wird und sich zur Zeit besonders gewaltsam vollzieht. Nun kämpft der Westen praktisch auf der Seite einer muslimischen Macht, die die andere muslimische Macht zu verdrängen versucht. Aus der Sicht von ISIS, die ja die "Ungläubigen" im Visier hat, ist das gar nicht so schlecht.

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