Schwierige Partnersuche zur Bekämpfung von ISIS: dem Westen sind die Hände gebunden

Al Alam, Theran: ISIS entstand durch USA / ...und wird praktisch von Saudi Arabien unterstützt / ISIS tötet Schiiten UND Sunniten / ISIS & Al Kaida Partner / Syria Times: Erdogan unterstützt sunnitischen Terror / Biederman in Ha'aretz: Großbritannien - islamistischer Terror kommt / Independent: wie kann der Westen das Feuer löschen?



Die USA will ISIS gemeinsam mit dem Iran bekämpfen. Doch Iran behauptet, dass ISIS eigentlich ein Missgebilde der USA ist. Saudi Arabien beschreibt ISIS als eine große, akute Gefahr für sich selbst sowie für den Westen. Doch Tehran behauptet, dass Saudi Arabien und weitere sunnitische Golfstaaten den islamistischen, sunnitischen Staat ISIS massiv unterstützen. Wie passt das alles zusammen? Welche Interessen und Verbindungen stehen hinter so unterschiedlicher Wahrnehmung der einen und selben Realität? 



Die Lage ist in der Tat sehr kompliziert und für Aussenstehende verwirrend. Selbst US Präsident Barack Obama musste offen zugeben, dass die führende Weltmacht America keine Strategie entwickeln konnte, ISIS wirksam zu bekämpfen. Obama - mit seinem riesigen, staatlichen Apparat von Beratern und Experten - betätigt sich zur Zeit lediglich als ein Kommentator. Er tappt im dunkeln. Er weiß nicht, wo die Reise hingeht. Er ist ratlos. Er hat kein Konzept, wie man eine Organisation beseitigt, die er selbst als Krebsgeschwür bezeichnet.

Die Verwirrung liegt zum großen Teil darin, dass einige geistige und finanzielle Unterstützer von ISIS enge Freunde der USA und des Westens sind. Denken Sie zunächst an Katar. Dieses kleine Emirat finanziert mit unvorstellbaren Summen die extremistische, islamistische Weltanschauung, die als ideologische Basis für das Wirken von ISIS dient. Das geschieht durch verschiedene Lehrstühle in akademischen Institutionen, durch den eigenen Sender Al Jazeera und mehr. Zudem hat Katar Querverbindungen zu ISIS (die es wohl auch finanziert) sowie zu Al Kaida. Das Emirat verbreitet ziemlich direkt die Botschaften dieser Organisationen und verhandelt gelegentlich mit westlichen Mächten über Geiselbefreiungen.

Doch Katar ist zugleich ein wichtiger Partner der USA. Auf dem Territorium des Emirats befindet sich eine riesige amerikanische Basis - gebaut und bezahlt durch großzügige Spenden des Gastgebers. Katar bestellt jährlich Waffen, Flugzeuge und viele Waren und Dienstleistungen in Höhe von Milliarden. Es finanziert sehr üppig akademische und kulturelle Einrichtungen. Es verbreitet inzwischen Informationen auch über einen eigenen USA Sender, der in Washington beheimatet ist. Es ist ein wirtschaftlicher und politicher Faktor geworden, der ganz klar die amerikanische Politik nachhaltig beeinflusst. Der Emir ist ständig präsent bei den strategischen Überlegungen der Weltmacht USA in der Region.

Anders als Katar haben Saudi Arabien und andere sunnitische Golfstaaten die Gefahr inzwischen erkannt, die von ISIS auch für sie selbst ausgeht. Vorsichtig und graduell versuchen sie, sich von den Extremisten abzugrenzen. Doch dieser Prozess ist sehr langsam und läuft nur zögernd. Weltweit wird immer noch ein Netzwerk von wahhabitischen Predigern durch Saudi Arabien und seinen Verbündeten aufrechterhalten. Dieses transportiert zum großen Teil Werte des extremistischen Islamismus, der auch in Moscheen im Westen zahlreiche Anhänger findet. Es wird lange dauern, bis das saudische Königshaus umsteuern kann und moderate Kräfte wirksam stützt.

Der Westen kann ganz offensichtlich ISIS nicht allein beseitigen. Hierzu braucht man unbedingt zuverlässige arabische und muslimische Partner. Doch diese sind schwer zu finden. Katar ist es ganz bestimmt nicht. Saudi Arabien kann es nur bedingt sein. Die Türkei unter dem islamistischen Präsidenten Recep Erdogan stellt sich quer und unterstützt eher den Extremismus. Ägypten unter Präsident Abdel Sisi wäre sicherlich ein willkommener, starker Partner für die Bekämpfung von ISIS. Doch es muss zunächst mit den Islamisten der Muslim Brotherhood einschließlich Hamas fertig werden. Zudem misstrauen die Ägypter zutiefst der Obama Administration, die bekanntlich die Muslim Brotherhood hofierte.

Für den Westen bleibt die sehr problematische Option, mit dem Iran und mit Syrien zusammenzuarbeiten. Doch das ist eine riskante Falle, wie die oben genannte iranische Haltung andeutet - und wie die Karikaturen aus iranischen Medien grafisch so lebhaft belegen. Die Iraner und das syrische Regime von Bashar Assad teilen nicht die Werte, für die der Westen steht. Sie vertreten den islamistischen Extremismus schiitischer Prägung, der nicht weniger gefährlich ist als sein sunnitisches Spiegelbild. Sollten die schiitischen Islamisten die Oberhand gewinnen, werden sie genauso brutal sein wie ISIS, Hamas, Al Kaida und diverse andere Organisationen, die zur Zeit in Syrien, im Irak, im Yemen, in Gaza, im Sinai und anderswo agieren.

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