Ost-West Konfrontation im Inneren des Landes… die Ukraine muss sich selbst retten

Gazeta, Moskau: Putin plädiert für humanitären Korridor / russische Mütter fragen - wo verschwinden unsere Söhne? / Komsomolskaya Prawda: Russen pilgern nach Finnland, um Waren zu kaufen / Moscow Times: Putin der Held  / Kyiv Post: ...der russische Interessen vertritt / ...und sein Militär direkt und indirekt einsetzt



Die innere Zerrissenheit der Ukraine wurde längst zu einer europäischen Krise mit weltweiten Auswrikungen. Das ist eine tragische Entwicklung, die bereits über 2000 Menschen das Leben kostete und mehrere Hunderttausende zu Flüchtlingen im eigenen Land gemacht hat. Das ist auch ein schwerer Schlag für die internationale Zusammenarbeit zur Beilegung von Konflikten in anderen sensiblen Regionen. Die prekäre Lage in der Ukraine hat Europa und die Welt gefährlicher gemacht. Ein Ausgleich ist nicht in Sicht und unter den bestehenden Voraussetzugen auch kaum möglich.



Ein kurzer Rückblick macht den Grundfehler deutlich. Vor knapp einem Jahr gab es eine viel beachtete und im Westen bejubelte Revolution in Kiev. Wohl bemerkt in Kiev - nicht unbedingt im ganzen, riesigen Land Ukraine. Die Kiev Revolution hat sicherlich viele begrüssenswerte Forderungen gestellt. Unter anderem Streben nach Freiheit und Demokratie, Verlangen nach Transparenz, vorbehaltlose Bekämpfung der Korruption und einiges mehr. Doch diese Revolution beinhaltete auch eine Abrechnung mit dem östlichen und südlichen Teil der Ukraine, der weitgehend von Russen oder Russlandstämmigen bewohnt ist und sich in russischen Traditionen verankert fühlt.

Historische Konflikte innerhalb der Ukraine kamen somit zum Vorschein. Die delikate Balance zwischen Ost und West ist völlig aus den Fugen geraten. Sehr viele russisch sprechende Menschen im Osten und im Süden der Ukraine fühlten sich marginalisiert, verstossen und an den Rand gedrängt. Das war der Nährboden für einen furchtbaren Bürgerkrieg, der nun seit mehreren Monaten anhält und immer schlimmere Dimensionen annimmt. Diese unsichere Lage wurde inzwischen von Russland benutzt, um seine machtpolitischen Ambitionen zu untermauern und die Grenzen des westlichen Einflusses in Europa abzustecken. Eine Europa- und Weltkrise von großem Aussmaß ist die Folge.

Im Nachhinein muss der Westen zugeben, dass die frühzeitige, unkritische Begeisterung der Kiev Revolution den klaren Blick auf die historischen Realitäten trübte. Die Verantwortlichen haben sich nicht richtig informiert und handelten teilweise dilettantisch. Scharfmacher sind davon ausgegangen, dass nun die Gelegenheit gekommen ist, Russland in die Schranken zu weisen. Echter, ehrlicher Wunsch nach Offenheit und Verbesserungen wurde mit dem klaren Versuch gemischt, dem Osten der Ukraine ein Diktat aus dem Westen der Ukraine aufzuzwingen. Das konnte nicht gut ausgehen. Das war ein Rezept für das Unglück, das auf die Ukraine zugekommen ist und dieses Land seit mehreren Monaten fest im Griff hat.

Nun muss man ernsthaft über einen Ausweg nachdenken. Dieser kann nur von den Bürgern der Ukraine selbst kommen. Sie brauchen eine zweite Revolution, die wieder eine delikate Balance im Inneren des Landes herstellt. Ost und West in der Ukraine müssen zusammenkommen und ihr Gemeinwesen heilen. Das ist bei weitem aussichtsreicher und wirksamer als der bestehende Versuch, die Weltblöcke Ost und West aufzustellen und für die nächste Runde einer internationalen Konfrontation zu mobilisieren. Bei dieser, gegenwärtigen Konfrontation - die sich zunehmend auch militärisch abspielt - gibt es nur Verlierer.

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