Katarisch-ägyptischer Krieg in Gaza: der Emir von Katar geschlagen, Präsident Abdel Sisi geht als Sieger hervor

Karikaturen in katarischen Medien, die Selbsttäuschung und Frustration dokumentieren: WIR hätten (eigentlich) den Krieg gewonnen!



In den letzten Wochen wurde viel vom Krieg zwischen Hamas und Israel berichtet - nicht zuletzt an dieser Stelle. In der Tat hat Hamas tausende Raketen nach Israel abgeschossen, um möglichst viele Juden zu töten. Israel sah sich gezwungen, durch gezielte militärische Schläge die terroristische Infrastruktur in Gaza zu treffen, um die islamistische Organisation zum Einlenken zu bewegen. Technisch gesehen gab es also einen Waffengang zwischen Hamas und Israel. Soweit ist alles korrekt.



Doch diese Beschreibung geht an einem zentralen Umstand vorbei: die führende Rolle des  kleinen Emirat Katar, das diesen Krieg mit großem finanziellem, politischem und propaganistischem Aufwand angezettelt hat. Dabei bekämpfte Katar eigentlich nicht den jüdischen Staat. Hauptziel der katarischen Agression war und bleibt Ägypten, das bevölkerungsreichste arabische Land. Warum zieht Katar ausgerechnet gegen Ägypten in den Krieg? Warum benutzt Katar die Hamas als Proxy, um seine Ambitionen am Nil zu untermauern? Hier die Erläuterung in einigen wenigen Punkten zusammengefasst.

1. In Katar leben etwa 280,000 Bürger unter etwa eineinhalb Millionen Ausländern. Die Bürger des Emirats sind sehr reich. Sie genießen das höchste pro Kopf Einkommen in der Welt. Sie können sich finanziell fast alles leisten. Doch sie leben in ständiger Angst vor den vielen rechtlosen ausländischen Dienern, die sie permanent umgeben - Menschen aus Bangladesch, Nepal, Pakistan, Sri Lanka, Philippinen, Indien und anderen Ländern.

2. Der Emir von Katar Tamin Al Thani sieht, dass er langfristig keine Chance hat seine Machtdynastie und den jetzigen, priviligierten Status zu erhalten. Die demografische Anomalie in seinem Land ist himmelschreiend. Die Umwälzungen in der Region deuten auf Instabilität und rasante Entwicklungen hin, die völlig ungewiss sind. Die Amerikaner - die in Katar ihre größte militärische Einrichtung in der Region unterhalten - befinden sich auf dem Rückzug. Auf sie ist kein Verlass mehr.

3. Katar könnte theoretisch den entrechteten Gastarbeitern (von denen viele praktisch Sklaven sind) die Staatsbürgerschaft anbieten und sich so nach Innen und nach Aussen stärken. Doch das widerspricht der ideologischen und religiösen Überzeugung dieser Herrscherfamilie. Sie sieht sich dem Islam wahhabitischer Prägung verpflichtet und betrachtet die Ungläubigen als unwürdig. Der Emir sucht die Zukunft anderswo.

4. Katar findet die Rettung unter sunnitischen, islamistischen Organisationen, die in der arabischen Welt großen Zulauf erfahren und mehrere Staaten zu übernehmen drohen. In Ägypten unterstützt Katar massiv die Muslem Brotherhood, die vom jetzigen Präsidenten Abdel Sisi entmachtet wurde. Der katarische Sender Al Jazeera hetzt permanent gegen Sisi und versucht ihn ganz offen zu stürzen. Journalisten des vom katarischen Emir finanzierten Senders bekamen lange Haftstrafen, weil sie (laut Cairo) an suberversiven Aktivitäten der Muslim Brotherhood beteiligt waren.

5. Ägypten reagierte auf die Bedrohung aus Katar, indem es die vom Emirat unterstützten Islamisten im Sinai ernsthaft bekämpfte und den bis dato geduldeten Schmuggel von Waffen an Hamas (Gaza-Ableger der Muslim Brotherhood) kappte. Das war dem Emir zuviel. Daher ordnete er Hamas an, Israel durch Raketenbeschuss zu provozieren und Ägypten damit herauszufordern. Sein Kalkül war, dass Katar allein in der Lage sei, die Extremisten der Hamas zu disziplinieren. Damit hätte das Emirat eine Karte in der Hand, um Ägypten die Schlüsselrolle in der Region streitig zu machen.

6. Die USA und die Europäer sind zunächst in die katarische Falle geraten. Sie haben irrtümlicherweise versucht, vorbei an Ägypten einen Waffenstillstand auszuhandeln - mit katarischem Segen jedoch ohne Beseitigung der Terrortunnel und ohne Aussicht auf Entwaffnung von Hamas. Doch Ägypten ist unnachgiebig und zielstrebig geblieben. Cairo machte klar, dass jeder Ausweg aus der Krise nur über die ägyptische Vermittlung möglich ist. Und das beinhaltet unbedingt strenge Grenzkontrolle. Diese soll sichern, dass anders als früher keine Waffen mehr aus dem Iran oder aus Nordkorea über den Sinai an die Hamas gelangen.

7. Die katarische Diplomatie muss nun eine Niederlage einstecken. Ägypten wehrt sich eindrucksvoll und erfolgreich gegen die Muslim Brotherhood - in Gaza sowie in den Machtzentren am Nil. Fremde Kontrolle der Grenze zwischen Ägypten und Gaza wird nicht akzeptiert (2005 sind eruopäische Kontrolleure nach den ersten Schüssen geflohen). An der Grenze zwischen Israel und Gaza fließen ohnehin seit vielen Jahren alle lebensnotwendigen Waren und Güter. Von "Blockade" kann keine Rede sein - es sei denn, man betrachtet die Nicht-Lieferung von iranischen Raketen als eine unzulässige Sperre (wie der Emir von Katar wohl die Dinge sieht).

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